Unsere Zeit der Monster ist jetzt!

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kaberke Avatar

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Zeit der Monster ist für mich eines dieser Bücher, die man nicht einfach liest und wieder weglegt. Es ist ein Buch, das nachhallt – und eines, das ich definitiv noch ein zweites Mal lesen möchte, weil ich das Gefühl habe, beim ersten Lesen längst nicht alles erfasst zu haben.
Schon die Gestaltung hat mich begeistert. Das Cover ist wunderschön, aber auch das Layout im Inneren trägt dazu bei, dass sich das Buch besonders anfühlt.
Besonders beeindruckt hat mich die Selbstverständlichkeit, mit der Seyda Kurt alternative Lebensrealitäten erzählt. Queere Menschen, Menschen mit Migrationsgeschichte, polyamore oder andere Beziehungsformen, Figuren, deren Geschlecht gar nicht eindeutig benannt wird – all das ist einfach da. Nicht als Statement, nicht als performative Repräsentation, sondern als selbstverständlicher Teil einer Welt. Genau solche Bücher brauchen wir mehr: Bücher, die unterschiedliche Lebensweisen nicht erklären oder rechtfertigen müssen, sondern sie einfach existieren lassen.

Auch thematisch hat mich das Buch sehr bewegt. Die Idee der "Zeit der Monster" – dass jede Zeit der Krisen und der Dunkelheit zugleich immer auch eine Zeit der Hoffnung ist – hat mich lange beschäftigt. Hoffnung ist oft kaum sichtbar, wenn wir mitten in einer Krise stecken. Häufig erkennen wir sie erst rückblickend. Gleichzeitig zeigt das Buch, wie sehr wir dazu neigen, die Vergangenheit in beide Richtungen zu verklären: entweder als bessere Zeit oder als etwas, das wir um jeden Preis hätten verhindern müssen.
Ein Gedanke, den ich besonders stark mitnehme, ist der Appell, weniger Energie darauf zu verwenden, gegen Vergangenes oder Bestehendes anzukämpfen, sondern stattdessen den Mut zu haben, etwas grundlegend Neues aufzubauen. Nicht nur gegen etwas zu kämpfen, sondern für etwas. Gerade in einer Zeit, die von gesellschaftlicher Spaltung geprägt ist, in der einzelne Menschen geopfert werden und vieles in einer zähen Masse aus Ohnmacht und Stillstand zu versinken scheint, fühlt sich diese Frage unglaublich aktuell an.

Über allem steht schließlich die große Frage: Was kann uns retten? Und vielleicht noch wichtiger: Kann uns überhaupt etwas retten? Und wo finden wir Hoffnung, wenn sie kaum noch sichtbar scheint?
Zeit der Monster gibt darauf keine einfachen Antworten. Aber gerade das macht das Buch so wertvoll. Es fordert dazu auf, die eigenen Gewissheiten zu hinterfragen und Hoffnung nicht als naiven Optimismus zu verstehen, sondern als etwas, das aktiv gesucht und geschaffen werden muss.