Wenn drei alte Seelen eine zerbrochene retten
Schon der erste Satz der Leseprobe – „Stell dir deinen letzten Tag vor. Und dann schau zurück. Welches Leben willst du gelebt haben?“ – trifft mitten ins Herz (S. 3). Er legt wie ein leiser, aber eindringlicher Puls den Ton für eine Geschichte fest, die nicht laut dramatisch ist, sondern still existenziell.
Die Protagonistin begegnet uns im völligen Kontrollverlust: verschlafene Morgen, verpasste Busse, zu viel Wein, eine Fassade aus Funktionieren (S. 4–6). In wenigen, präzisen Strichen wird deutlich, dass hier jemand nicht einfach nur einen schlechten Tag hat – sondern ein ganzes Leben aus den Fugen geraten ist. Besonders stark ist die Szene mit der älteren Dame auf der Straße (S. 6–10). Aus einer beiläufigen Hilfsbereitschaft entsteht eine Begegnung, die wie ein Riss im Beton ihres durchgetakteten Alltags wirkt.
Lotte, Anita und Johann sind keine Nebenfiguren – sie sind Kontrast, Korrektiv und Kompass. Ihre generationenübergreifende WG, ihre Neckereien, ihr „russischer Zupfkuchen mit Pfiff“ (S. 16–18) bringen Wärme in eine Geschichte, die von Verlust und Einsamkeit durchzogen ist. Die Illustrationen im Text unterstreichen diese Leichtigkeit und geben dem Roman eine fast märchenhafte Zartheit, ohne ins Kitschige abzurutschen.
Besonders berührend ist die Szene in der Lagerhalle (S. 41–44). Der Moment an der Kinderwiege ist literarisch meisterhaft gesetzt: Ein unscheinbares Möbelstück wird zum emotionalen Auslöser für einen Dammbruch. Und als die Wahrheit – „Mein Mann hat mich verlassen, weil er mit einer anderen Frau ein Kind bekommt“ (S. 44) – erstmals laut ausgesprochen wird, geschieht etwas Entscheidendes: Schmerz wird nicht mehr verdrängt, sondern geteilt. Die Stille der drei Alten ist dabei kraftvoller als jedes Trostwort. Es ist eine Stille ohne Urteil, ohne Ratschläge – nur mit Präsenz.
Diese Leseprobe erzählt von Einsamkeit, aber noch mehr von Verbundenheit. Von der Frage, wie man nach einem radikalen Verlust wieder Vertrauen ins Leben fassen kann. Und sie deutet an, dass Heilung nicht in spektakulären Wendungen liegt, sondern in kleinen Gesten: einer Tasse Kaffee, einem ehrlichen Zuhören, einer Mandeltorte „mit Pfiff“ (S. 45).
„Zeit für meine Träume“ verspricht einen Roman über Neuanfänge jenseits des Offensichtlichen. Über Mut, sich helfen zu lassen. Und darüber, dass manchmal ausgerechnet Fremde zu Wegbegleitern werden, wenn das eigene Leben implodiert.
Ein stilles, klug komponiertes Buch mit Herz – und der leisen Kraft, lange nachzuwirken.
Die Protagonistin begegnet uns im völligen Kontrollverlust: verschlafene Morgen, verpasste Busse, zu viel Wein, eine Fassade aus Funktionieren (S. 4–6). In wenigen, präzisen Strichen wird deutlich, dass hier jemand nicht einfach nur einen schlechten Tag hat – sondern ein ganzes Leben aus den Fugen geraten ist. Besonders stark ist die Szene mit der älteren Dame auf der Straße (S. 6–10). Aus einer beiläufigen Hilfsbereitschaft entsteht eine Begegnung, die wie ein Riss im Beton ihres durchgetakteten Alltags wirkt.
Lotte, Anita und Johann sind keine Nebenfiguren – sie sind Kontrast, Korrektiv und Kompass. Ihre generationenübergreifende WG, ihre Neckereien, ihr „russischer Zupfkuchen mit Pfiff“ (S. 16–18) bringen Wärme in eine Geschichte, die von Verlust und Einsamkeit durchzogen ist. Die Illustrationen im Text unterstreichen diese Leichtigkeit und geben dem Roman eine fast märchenhafte Zartheit, ohne ins Kitschige abzurutschen.
Besonders berührend ist die Szene in der Lagerhalle (S. 41–44). Der Moment an der Kinderwiege ist literarisch meisterhaft gesetzt: Ein unscheinbares Möbelstück wird zum emotionalen Auslöser für einen Dammbruch. Und als die Wahrheit – „Mein Mann hat mich verlassen, weil er mit einer anderen Frau ein Kind bekommt“ (S. 44) – erstmals laut ausgesprochen wird, geschieht etwas Entscheidendes: Schmerz wird nicht mehr verdrängt, sondern geteilt. Die Stille der drei Alten ist dabei kraftvoller als jedes Trostwort. Es ist eine Stille ohne Urteil, ohne Ratschläge – nur mit Präsenz.
Diese Leseprobe erzählt von Einsamkeit, aber noch mehr von Verbundenheit. Von der Frage, wie man nach einem radikalen Verlust wieder Vertrauen ins Leben fassen kann. Und sie deutet an, dass Heilung nicht in spektakulären Wendungen liegt, sondern in kleinen Gesten: einer Tasse Kaffee, einem ehrlichen Zuhören, einer Mandeltorte „mit Pfiff“ (S. 45).
„Zeit für meine Träume“ verspricht einen Roman über Neuanfänge jenseits des Offensichtlichen. Über Mut, sich helfen zu lassen. Und darüber, dass manchmal ausgerechnet Fremde zu Wegbegleitern werden, wenn das eigene Leben implodiert.
Ein stilles, klug komponiertes Buch mit Herz – und der leisen Kraft, lange nachzuwirken.