Zwischen Angst, Verantwortung und Sprache

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Schon die ersten Zeilen wirken wie ein Schlag in die Magengrube. Mit klarer, unprätentiöser Sprache markiert Mira Zehmann einen Moment, der ihr Leben unwiderruflich teilt: den 24. Februar 2022. Erwachsenwerden erscheint hier nicht als Reifung, sondern als gewaltsames Hineingestoßenwerden in eine Realität, die sich nicht mehr ausblenden lässt. Der wiederkehrende Zugwind wird zu einem eindringlichen Leitmotiv – ein Sinnbild für Verlust, Entwurzelung und das Zerbrechen bisheriger Gewissheiten.

Der Text lebt von seiner schonungslosen Ehrlichkeit. Mira zählt ihr Leben auf, scheinbar beiläufig: Familie, Körper, Besitz, Ideale. Doch hinter dieser Aufzählung öffnet sich ein Abgrund. Das Private und das Politische sind untrennbar miteinander verwoben, der Krieg dringt nicht nur in Länder und Städte ein, sondern in Beziehungen, Sprache und Identität. Besonders berührend ist die Beschreibung des inneren Vakuums – dort, wo einst Sprache, Lieder und Überzeugungen waren, bleibt Leere zurück.