Zeit zu leben

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mallis Avatar

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"Die dunkle Stunde ist da. Es gibt keinen Grund, etwas auf später zu verschieben". Iryna Fingerova hat ein bewegendes Buch geschrieben, mit aufgewühltem Herzen, doch leichter Hand - so liest es sich jedenfalls.

Dieses Buch handelt vom Krieg und steigert sich dabei zu einem Manifest der Lebensfreude. Mira ist eine junge Ärztin, die mit Mann und Kind in Deutschland lebt und ihre Heimatstadt Odessa liebt. Nun wird das Heimatland angegriffen - der titelgebende Zugwind nistet sich in Miras Körper ein. Nichts ist mehr in Ordnung, das Chaos bricht aus - Freunde fliehen nach Deutschland, werden aufgenommen, unterstützt, teilen die Angst und die schlechten Nachrichten. Die Praxis, in der Mira arbeitet, wird zur Anlaufstelle für die Ukrainer - sie ist mit Leidensgeschichten wie mit Ansprüchen konfrontiert.

Ich habe Seite um Seite gelesen und das Buch nicht weglegen können. Wir Leser erfahren davon, wie Menschen mit Bedrohung, Verlust und Verletzung umgehen, das ist schmerzhaft, manchmal kurios, oft überraschend. Auch die Protagonistin findet zu neuer Kraft und besiegt den Zugwind durch das mutige Hineinsehen in die Angst, in den Schrecken: "Man muss das Leben in vollen Zügen genießen, denn der Tod wird sich ohnehin das Seine nehmen. -Krieg ist ein guter Zeitpunkt, um... die Freude am Leben... in ein Manifest zu
verwandeln".

Absolute Empfehlung!