Berührend

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larissaliest Avatar

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„Zugwind“ von Iryna Fingerova hat mich auf eine ruhige, aber sehr nachhaltige Weise getroffen. Es ist kein Buch, das laut wird oder mit dramatischen Wendungen arbeitet – stattdessen schleicht es sich langsam ein und bleibt dann im Kopf.

Beim Lesen hatte ich oft das Gefühl, ganz nah an der Hauptfigur zu sein. Ihre Zerrissenheit zwischen Alltag in Deutschland und den Ereignissen in ihrer ukrainischen Heimat wirkt unglaublich echt. Dieses gleichzeitige Funktionieren im Alltag und innerliche Aus-dem-Gleichgewicht-Geraten fand ich besonders eindrucksvoll – man spürt förmlich diesen „Zugwind“, der alles durcheinanderbringt, ohne dass er je ganz greifbar wird.

Was mich besonders bewegt hat, war die leise Art, mit der schwere Themen erzählt werden. Es gibt keine großen dramatischen Szenen, sondern eher kleine Momente, Gedanken und Beobachtungen – und genau die haben bei mir am meisten ausgelöst. An manchen Stellen musste ich innehalten, weil die Emotionen so unterschwellig, aber stark waren.

Gleichzeitig muss ich sagen: Das Buch verlangt Geduld. Es passiert nicht viel im klassischen Sinne, und ich habe gemerkt, dass ich mich bewusst auf das langsame Tempo einlassen musste. Aber gerade dadurch wirkt es am Ende ehrlicher und intensiver.

Für mich ist „Zugwind“ ein Buch über innere Unruhe, über das Leben zwischen zwei Realitäten und darüber, wie sehr äußere Ereignisse einen Menschen von innen verändern können. Es ist kein leichtes Buch – aber eines, das sich lohnt.

Mein Fazit: Kein Roman für zwischendurch, sondern einer, der nachhallt und zum Nachdenken zwingt. Gerade durch seine leise, persönliche Art hat er mich wirklich berührt.