Berührend und emphatisch
"Ja, solange der Krieg andauert, ist es in der Ukraine nirgendwo völlig sicher. Aber von den Frontstädten abgesehen gibt es gleichzeitig auch keinen Ort, an dem das Leben nicht sein Recht einfordert."
4.5 ★
Der Roman erzählt von den vergangenen Jahren seit der Invasion der Ukraine aus Sicht einer ukrainisch-stämmigen Hausärztin in Deutschland. Dabei handelt es sich weniger um eine chronologisch aufgebaute Handlung als um eine fließende, assoziative Darstellung ihrer Gedanken und Gefühle. In ihrer empathischen und differenzierten Haltung liegt die große Stärke des Buches. In anonymisierten Patientengeschichten werden Fluchterfahrungen, soziale Not und psychische Erschöpfung eindrücklich sichtbar. Dazu werden gesellschaftlicher Druck, etwa rund um Einbürgerung und Leistungsanforderungen, sensibel und kritisch beleuchtet.
Parallel dazu durchzieht die Zerrissenheit der Erzählerin den gesamten Text. Sie hadert mit der Schuld, ein „gutes“, sicheres Leben zu führen, während Familie und Freund:innen in Odesa einen Alltag im Krieg bewältigen müssen. Gleichzeitig spürt sie eine starke Sehnsucht nach ihrer Heimat, die sie immer wieder dorthin zieht. Sie sucht, und findet schließlich, einen Weg diesen Zustand mit dem Bedürfnis ein erfülltes Leben zu führen zu vereinen. Diese innere Spaltung ist eindrücklich und glaubwürdig gestaltet.
Die fließende Art, wie Gedanken, Alltag, Erinnerungen und Reflexionen ineinander übergehen, schafft eine stimmige Atmosphäre, kann jedoch stellenweise diffus erscheinen. Mitunter hätte eine behutsame Gliederung, etwa durch Kapitelüberschriften, den Text etwas greifbarer gemacht.
Am Ende bleibt vor allem das Gefühl, einen berührenden Roman gelesen zu haben. Einen, der nicht über große Ereignisse funktioniert, sondern über Empathie und über die Frage, wie man in relativer Sicherheit lebt, während anderswo Krieg herrscht.
4.5 ★
Der Roman erzählt von den vergangenen Jahren seit der Invasion der Ukraine aus Sicht einer ukrainisch-stämmigen Hausärztin in Deutschland. Dabei handelt es sich weniger um eine chronologisch aufgebaute Handlung als um eine fließende, assoziative Darstellung ihrer Gedanken und Gefühle. In ihrer empathischen und differenzierten Haltung liegt die große Stärke des Buches. In anonymisierten Patientengeschichten werden Fluchterfahrungen, soziale Not und psychische Erschöpfung eindrücklich sichtbar. Dazu werden gesellschaftlicher Druck, etwa rund um Einbürgerung und Leistungsanforderungen, sensibel und kritisch beleuchtet.
Parallel dazu durchzieht die Zerrissenheit der Erzählerin den gesamten Text. Sie hadert mit der Schuld, ein „gutes“, sicheres Leben zu führen, während Familie und Freund:innen in Odesa einen Alltag im Krieg bewältigen müssen. Gleichzeitig spürt sie eine starke Sehnsucht nach ihrer Heimat, die sie immer wieder dorthin zieht. Sie sucht, und findet schließlich, einen Weg diesen Zustand mit dem Bedürfnis ein erfülltes Leben zu führen zu vereinen. Diese innere Spaltung ist eindrücklich und glaubwürdig gestaltet.
Die fließende Art, wie Gedanken, Alltag, Erinnerungen und Reflexionen ineinander übergehen, schafft eine stimmige Atmosphäre, kann jedoch stellenweise diffus erscheinen. Mitunter hätte eine behutsame Gliederung, etwa durch Kapitelüberschriften, den Text etwas greifbarer gemacht.
Am Ende bleibt vor allem das Gefühl, einen berührenden Roman gelesen zu haben. Einen, der nicht über große Ereignisse funktioniert, sondern über Empathie und über die Frage, wie man in relativer Sicherheit lebt, während anderswo Krieg herrscht.