Standhalten im Zugwind

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Auf dem Cover dieses Romans verdeckt ein Löwenzahn den Kopf einer weiblichen Figur. Dieser Löwenzahn steht sinnbildlich für die weibliche Protagonistin. Leicht pustet man die zarten Samen weg, die an einem anderen Ort für einen Neubeginn stehen. Diese Pflanze wächst selbst an den unfruchtbarsten Orten, d.h. sie setzt sich durch, hat eine immense Widerstands- und Durchsetzungskraft. Titel und Pflanze stehen für das Gehen mit dem Wind, der als unangenehm empfunden wird, aber letztendlich einen neuen Weg öffnet.

Die Ärztin Mira Zehmann war mit ihrem Mann und ihrer kleinen Tochter aus der Ukraine nach Deutschland gekommen und wird durch den Krieg in der Ukraine und Begegnungen mit Geflüchteten von Schuldgefühlen heimgesucht. Sie will etwas tun und wird für viele geflüchteten Ukrainer zur Anlaufstelle. Diese Situation ist nicht einfach zu meistern, da die Kriegssituation emotional spürbar wird. Die Autorin ist ebenfalls Ärztin und es stellt sich die Frage, wieviel eigenes Erleben hier mit hineinschwingt.

Neben den Krankheits- und Leidensgeschichten ihrer Patienten erfährt der Leser etwas über den „Alltag“ der Protagonistin. Sie fährt nach Odesa, um die Familie und vor allem die alte Großmutter sowie Freunde zu besuchen, und lebt dort zwischen Fliegeralarm und Alltag. Zurückgekehrt ist sie mit ihrer Schwiegermutter aus Cherson konfrontiert, die nach fast drei Monaten zu ihrer Erleichterung wieder in die Ukraine zurückfährt. In der Beziehung zu ihrem Mann kriselt es, es kommt zu einer Affäre mit einem anderen Mann - all diese Geschehnisse zeugen von einem Alltag, der auch nicht immer einfach ist.

Bisweilen fand ich den Roman etwas zäh, vor allem dann, wenn ausführlichere Reflexionen den Erzählfluss verhindern.