Von Odesa nach Deutschland
Trotz der Schwere des Inhaltes hat mich dieses Buch sofort interessiert.
Zuerst hat mich das Titelbild – die Löwenzahnfrau, die sierrafarbene Coverfarbe – und der Titel Zugwind angesprochen (was hat es mit diesem Zugwind auf sich?). Doch dann 'beschwerte' mich das Buch so, dass ich Seite für Seite ganz langsam las. Weglegte. Wieder in die Hand nahm. Weglegte. Und so weiter. So ging das ständig.
Der Krieg in der Ukraine, die täglichen Nachrichten dazu, Putins Angriffskrieg (etwas, von dem ich annahm, hoffte, dass ich es nie zu meinen Lebzeiten aus Europa zu lesen hatte). Und die vielen Menschen aus der Ukraine in meiner Heimatstadt.
Mira lebt mit Mann und Tochter in Deutschland. Doch tagtäglich geht ihr Sinnen, ihr Denken zurück in die Heimat Odesa. Und plötzlich ist Odesa auch in ihrem ganz nahen Umfeld – in ihrer Praxis als Ärztin tauchen zunehmend mehr Patient:innen aus der Heimat auf.
Und der Zugwind der nistet sich in ihrer Halsgrube ein: Es ist nicht einfach zu lesen, dieses Buch. Das ahnte ich natürlich bereits beim Klappentext. Und der als Fiktion angekündigte Roman ist doch mehr oder weniger autobiografisch.
Zeitaktuell, und es wird immer aktueller. Jetzt auch noch Trumps Krieg gegen den Iran. Was macht das mit den Menschen? Wie dankbar können wir sein, dass wir in unserem Land nicht in einem Kriegsgebiet leben müssen, aber wir spüren die Auswirkungen jeden Tag, durch die Ankommenden, durch die Nachrichten, durch Veränderungen auch unseres Alltags.
Lesbar mit viel Zeit! Der Schwere der Worte Raum geben, die Emotionen fassen und verstehen lernen.