Wenn der Krieg bis ins Wartezimmer reicht
„Zugwind“ von Iryna Fingerova erzählt die Geschichte von Mira, einer Ärztin und Ehefrau, die aus Odessa nach Deutschland zieht und dort Mutter einer Tochter wird. Ihr Leben gerät aus dem Gleichgewicht, als Russland die Invasion in die Ukraine beginnt und Bomben auf ihre alte Heimat fallen. Die Nachrichten aus Odesa erschüttern sie zutiefst und reißen alte Bindungen wieder auf. Ihr Leben wird durch die vielen geflüchteten Verwandten und Freunde in ein Chaos gestürzt, die entweder bei ihr wohnen oder ihre Hilfe bei Behördengängen benötigen.
Als Mira eine Stelle in der Hausarztpraxis von Frau Erde und Frau Meer antritt (was im Übrigen sehr kreative Namen sind), wird die Praxis bald zu einer wichtigen Anlaufstelle für ukrainische Geflüchtete. Viele suchen bei Mira nicht nur medizinische Hilfe, sondern auch Trost, Verständnis und ein Stück vertraute Sprache. Die Begegnungen mit ihren Landsleuten lassen auch in ihr selbst eine wachsende Unruhe entstehen. Die Sehnsucht nach Odessa wird stärker, bis sie schließlich beschließt, dorthin zu reisen, um sich überzeugen zu können, ob es dort immer noch so ist wie vor ihrer Abreise.
Vor Ort erlebt sie eine Stadt im Ausnahmezustand – und zugleich eine irritierende Form von Alltag. Sie wundert sich über die Abgestumpftheit mancher Menschen, darüber, dass Sirenen kaum noch Reaktionen hervorrufen, und darüber, wie viele versuchen, jeden Tag zu leben, als könnte es ihr letzter sein.
Sprachlich spiegelt der Roman diese innere Zerrissenheit wider. Die Erzählstruktur ist bewusst nicht durchgehend geordnet; das Lesen fühlt sich stellenweise an wie ein Blick in Miras Tagebuch, dann wieder wie eine nüchterne Auflistung von Patientenschicksalen und Diagnosen. Gerade diese Form passt eindrücklich zum Thema des Buches.
Besonders überzeugend ist die ehrliche Sprache. Offen spricht Mira über Scham, Selbstmitleid und innere Konflikte. Der Roman weckt Mitgefühl, schafft Verständnis und öffnet den Blick für die Lebensrealitäten anderer. Ein tief berührendes Buch und nicht zuletzt auch mit einem sehr gelungenen Cover.
Als Mira eine Stelle in der Hausarztpraxis von Frau Erde und Frau Meer antritt (was im Übrigen sehr kreative Namen sind), wird die Praxis bald zu einer wichtigen Anlaufstelle für ukrainische Geflüchtete. Viele suchen bei Mira nicht nur medizinische Hilfe, sondern auch Trost, Verständnis und ein Stück vertraute Sprache. Die Begegnungen mit ihren Landsleuten lassen auch in ihr selbst eine wachsende Unruhe entstehen. Die Sehnsucht nach Odessa wird stärker, bis sie schließlich beschließt, dorthin zu reisen, um sich überzeugen zu können, ob es dort immer noch so ist wie vor ihrer Abreise.
Vor Ort erlebt sie eine Stadt im Ausnahmezustand – und zugleich eine irritierende Form von Alltag. Sie wundert sich über die Abgestumpftheit mancher Menschen, darüber, dass Sirenen kaum noch Reaktionen hervorrufen, und darüber, wie viele versuchen, jeden Tag zu leben, als könnte es ihr letzter sein.
Sprachlich spiegelt der Roman diese innere Zerrissenheit wider. Die Erzählstruktur ist bewusst nicht durchgehend geordnet; das Lesen fühlt sich stellenweise an wie ein Blick in Miras Tagebuch, dann wieder wie eine nüchterne Auflistung von Patientenschicksalen und Diagnosen. Gerade diese Form passt eindrücklich zum Thema des Buches.
Besonders überzeugend ist die ehrliche Sprache. Offen spricht Mira über Scham, Selbstmitleid und innere Konflikte. Der Roman weckt Mitgefühl, schafft Verständnis und öffnet den Blick für die Lebensrealitäten anderer. Ein tief berührendes Buch und nicht zuletzt auch mit einem sehr gelungenen Cover.