Eine ehrliche Geschichte über die chaotischen Zwanziger und die Kraft der Freundschaft

Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern Leerer Stern
leseratte1007 Avatar

Von

Erwachsenwerden ist kein linearer Prozess, sondern gleicht oft einer chaotischen Achterbahnfahrt. Genau dieses Gefühl fangen Gesina Demes und Annika Prigge in ihrem Buch „Zum ersten Mal: Vom Erwachsenwerden, Frausein und allen Gefühlen dazwischen“ perfekt ein. Als Hörer*in ihres Podcasts „End Zwanni“ war ich sehr gespannt auf ihr literarisches Debüt und wurde nicht enttäuscht.
Bereits das Cover und die unaufgeregte, moderne Gestaltung haben mich angesprochen. Es wirkt frisch und lädt direkt zum Schmökern ein. Inhaltlich macht das Buch genau das, was der Titel verspricht: Es widmet sich den unterschiedlichsten „ersten Malen“, die den Weg vom Mädchen zur Frau prägen. Das Buch ist klug in verschiedene thematische Kapitel unterteilt, die sich unter anderem mit dem eigenen Körper, der Zukunftsplanung und natürlich der Liebe auseinandersetzen.
Besonders gelungen finde ich die erzählerische Umsetzung. Die beiden Autorinnen beleuchten diese ersten Male aus verschiedenen Altersperspektiven. Sie blicken auf ihr jüngeres Ich zurück und reflektieren, wie sie bestimmte Situationen damals erlebt haben und wie sie heute darüber denken. Das macht nicht nur den persönlichen Werdegang der beiden transparent, sondern nimmt auch unheimlich viel Druck raus. Es wird wunderbar deutlich, dass ein Lebensweg nicht immer geradlinig verlaufen muss, um ans Ziel zu führen. Auch Umwege sind völlig in Ordnung.
Der Schreibstil ist sehr schön: flüssig, unfassbar unterhaltsam und extrem nahbar. Man hat beim Lesen das Gefühl, mit zwei guten Freundinnen bei einem Glas Wein zusammenzusitzen. Da es sich um biografische Erzählungen handelt, sind die Autorinnen selbst die „Figuren“ des Buches und sie sind maximal authentisch. Sie verstecken ihre Unsicherheiten nicht, sondern machen sie zur Stärke. Auch der Aspekt der Freundschaft, der als sicherer Anker immer wieder im Buch auftaucht, hat mich sehr berührt.
Wenn ich einen kleinen Kritikpunkt anbringen müsste, dann den, dass das Buch sprachlich und inhaltlich sehr stark in der Bubble der Millennial-Generation verankert ist. Wer ein paar Jahre älter ist, mag manche Ansichten oder Begrifflichkeiten vielleicht etwas befremdlich finden. Dem grundlegenden Lesespaß tut das aber keinen Abbruch.
Fazit: „Zum ersten Mal“ ist ein ehrliches, tröstliches und humorvolles Buch über das Stolpern ins Erwachsenenleben. Ich spreche eine klare Leseempfehlung für alle (jungen) Frauen aus, die sich manchmal vom Leben überfordert fühlen. Es erinnert uns auf witzige Weise daran: Wir müssen nicht alles wissen, und gemeinsam mit guten Freund*innen lässt sich jedes Chaos meistern.