Unbedingt lesen!

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lin8208 Avatar

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Der Grund, das Buch überhaupt in die Hand zu nehmen, war für mich zunächst reine Neugier. Ich wollte erfahren, was die zwei Frauen Ende zwanzig zu diversen Themen rund ums Frausein und Erwachsenwerden zu sagen haben. Und ich wurde definitiv nicht enttäuscht - eher positiv überrascht.
Im Verlauf des Buches werden anhand verschiedener Überkapitel unterschiedliche Themen angesprochen, die jeweils durch persönliche Erfahrungen aus verschiedenen Lebensaltern ergänzt werden. Bereits im Prolog wurde für mich deutlich, dass vermeintliche Tabuthemen hier bewusst enttabuisiert werden. Scham soll genommen und Raum geschaffen werden, um sich gesehen zu fühlen und sich wiederzuerkennen. Dazu trägt auch der angenehme, offene Schreibstil bei, der mir von Beginn an ein gutes Gefühl gab und es mir leicht machte, mich auf die Inhalte einzulassen.
Von Kapitel zu Kapitel merkte ich, wie ich an manchen Stellen immer wieder zustimmend nickte. Ehrlich gesagt wurde mir dabei erst richtig bewusst, mit welchen Tabus wir eigentlich „zu kämpfen“ haben. Die Gesellschaft trägt dazu sicherlich ihren Teil bei. Gerade deshalb fand ich es besonders wertvoll, wie einem beim Lesen die Augen geöffnet werden und man angeregt wird, sich selbst im Hinblick auf die angesprochenen Themen zu reflektieren.
An einigen Stellen wurden in mir ganz automatisch Gedanken angestoßen, die mich in mein eigenes Leben eingesogen haben - und genau das spricht in meinen Augen sehr für dieses Buch.
Ein kleiner Kritikpunkt bleibt für mich der Einfluss von Jugendsprache beziehungsweise Elementen des „Jugendalltags“ - Jugendwörter, viele englische Begriffe zwischen dem Deutschen, Vapes und Ähnliches. Das spricht mich persönlich leider nicht besonders an, vor allem nicht in Büchern, selbst wenn ich manche dieser Begriffe im Alltag vielleicht ebenfalls verwenden würde. Dennoch kann ich deshalb nicht guten Gewissens Sterne bei der Bewertung abziehen, dafür hat mich das Buch insgesamt viel zu sehr begeistert.
Das Buch ist nicht deshalb gut, weil die Autorinnen ein außergewöhnliches Leben führen, sondern gerade weil sie es nicht tun. Sie betonen selbst zu Beginn, dass ihr Leben als weiße, heterosexuelle Frauen kein bemerkenswertes sei. Und genau darin liegt der Reiz: Jemand wie ich kann sich auf beinahe jeder Seite wiederfinden.
Um Scham und Ängste abzulegen, braucht es sicherlich mehr als nur ein Buch - schließlich bleiben die äußeren Umstände dieselben. Dennoch wünsche ich jeder Person, die dieses Buch in die Hand nimmt, dass sie sich verstanden fühlt, den Mut findet, über das ein oder andere vermeintliche Tabu zu springen, und lernt, mehr Vertrauen zu entwickeln.