Schonungslose Abrechnung mit dem eigenen Reiter-Ego

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roswitha-böhm-gedankenteiler Avatar

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Der Einstieg hat mich ehrlich überrascht, weil er einen wunden Punkt trifft, den viele Tierhalter nur zu gut kennen: diesen schleichenden Selbstbetrug, bei dem man fest davon überzeugt ist, das Beste für sein Tier zu tun, während man in Wahrheit vor allem die eigenen Wünsche bedient. Der Prolog malt zwar erst ein idyllisches Bild vom friedlichen Morgenausritt im Nebel, aber direkt im ersten Kapitel zieht die Autorin die Notbremse und blickt schonungslos auf ihren ganz persönlichen Tiefpunkt zurück.

Besonders stark finde ich ihre schonungslose Offenheit, wenn es um die dunklen Seiten der Reiterszene geht. Sie redet sich ihre Vergangenheit nicht schön, sondern legt den Finger tief in die Wunde: wie Pferde im Turnierzirkus als reine Sportgeräte herhalten müssen, wie Schmerzen und Überlastung einfach ignoriert oder durch Hilfszügel weggedrückt werden und wie man das schlechte Gewissen mit teuren Decken, Schabracken und Spezialfutter betäubt, anstatt den Tieren einfach echte Lebensqualität und Weidezeit zu schenken. Ihr anatomischer Exkurs zur fehlenden Knochenverbindung der Vorderbeine und der immensen Belastung des Pferderückens bringt das Dilemma wunderbar auf den Punkt: Vorne platter Reifen wie bei einer alten Schubkarre, hinten aufgemotzter Ferrari. Das ist anschaulich, entlarvend und tut beim Lesen weh.

Manchmal driftet der Text sprachlich zwar etwas nah an den typischen Coaching- und Selbstfindungs-Jargon ab – Sätze wie das Leben neu erfinden oder alte Denkmuster sprengen sind mir stellenweise fast eine Spur zu geschliffen. Doch die ehrliche Scham über frühere Fehler, die Trauer um verlorene Tiere und das Eingeständnis, wie viel Druck und falscher Ehrgeiz das ursprüngliche Miteinander vergiftet haben, machen das wieder wett.

Wer wissen will, wie schwer der Weg heraus aus Leistungsdruck und Bequemlichkeit hin zu echtem Respekt vor dem Tier ist, findet hier eine erstaunlich aufrichtige Reflexion.