Eine magische Geschichte, etwas blass umgesetzt

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susank Avatar

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DIe alleinerziehende Claire nimmt eine Stelle als Putzkraft in der Barnes Foundation in Philadelphia an, wo sie fortan in Nachtschichten für einige Galerien zuständig ist. Besonders gefällt ihr das Gemälde "DIe Musikstunde", das 1917 von Henri Matisse erschaffen wurde und seine Familie (seine Ehefrau Amélie Noellie Parayre und die drei Kinder Marguerite, Jean und Pierre) zeigt. Eines Nachts steigt sie, eher durch Zufall, und von Jean gezogen, in dieses Bild ein und findet sich in der magischen Welt des Künstlers wieder. Sie erfährt, dass die Portraitierten in den Bildern ein geheimes Leben führen und zwischen den ausgestellten Kunstwerken reisen können. Nacht für Nacht unterbricht sie ihre Arbeit, um zu Jean in das Bild zu steigen und mit ihm Partys zu feiern, die Rennbahn zu besuchen und über Klippen zu wandern, während CLaire und Jean sich dabei immer näher kommen...

Morgan Pager, Bookstagramerin und tätig im Verlagswesen, hat mit "Zwei in einem BIld" einen eigenen Genre-übergreifenden Roman geschrieben. Dabei geht sie der Frage nach, ob die Portraitierten in einem Gemälde möglicherweise abseits der Blicke der Betrachter ein eigenes Leben führen und wie dieses aussehen könnte: dabei lässt sie die Welten der Realität und der Kunst miteinander verschmelzen. Ausgesucht hat sie dazu ein Gemälde von Henri Matisse, einem bedeutenden Künstler der klassischen Moderne und es ist absolut empfehlenswert, sich dieses Bild begleitend - zum Beispiel im Internet - anzuschauen.

In meinen Augen ist es eine bezaubernde Idee, eine junge Frau wortwörtlich in ein Gemälde eintauchen zu lassen, dort das Leben zu spüren und die Portraitierten näher kennenzulernen. Abwechselnd erzählt Morgan Pager die Geschehnisse dabei von Jean und Claire und lässt uns Leser*Innen an deren Gefühlen teilhaben. So wird das Kunstwerk Matisse' buchstäblich lebendig und wir erfahren etwas über die Familie Matisse' und die Zeit. (Ein wenig mehr Recherche und Hintergrundwissen hätte hier auch noch einen echten Mehrwert geben können.) Außerdem hat Claire aber auch ein Leben abseits des Museums, das wir mit zunehmendem FOrtgang der Handlung immer genauer kennenlernen und das voller Probleme und Sorgen ist.

Leider bleiben die Figuren dabei recht eindimensional und fest in ihrer Rolle. Sowohl die Geschichte als auch die Figuren entwickeln sich nicht wirklich weiter; manche Handlungen Claires bleiben für mich nicht nachvollziehbar und insbesondere das Ende ist vorhersehbar. Obwohl ich mich gerne auf die magische Geschichte eingelassen habe, hat mich dennoch geärgert, dass manche Aktionen, die es nicht hätten sein müssen, völlig unrealistisch sind und damit in meinen Augen die ganze Geschichte abwerten. (Leider kann ich das hier nicht genauer beschreiben ohne zu spoilern - am schlimmsten fand ich da eine Sache am Ende.) Und auch die zarte Liebesgeschichte zwischen Claire und Jean hätte weiter ausgearbeitet sein können, um glaubhaft zu wirken. An manchen Stellen hätte ich die Handlung gerne angestupst, um mehr Spannung zu erhalten.

Eine Auflistung der vorkommenden Gemälde wäre eine sehr schöne Ergänzung im Buch gewesen.

Obgleich der Roman für Kunst-Interessierte eigentlich ein Muss sein könnte, blieb die Umsetzung einer charmanten leider etwas blass, so dass ich nur drei Sterne vergeben kann.