Schönes, leises Buch

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s.fischer79 Avatar

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Der Roman Zwei in einem Bild von Morgan Pager erzählt die Geschichte der Begegnung zwischen Jean und Claire, die sich an einer Kunsthochschule kennenlernen. Während Jean eher unsicher ist und noch nach ihrem eigenen Stil sowie ihrer Identität sucht, tritt Claire von Beginn an selbstbewusst und fast schon faszinierend auf. Genau diese Ausstrahlung zieht Jean stark an.

Im Verlauf der Handlung entwickelt sich zwischen den beiden eine enge Beziehung, die jedoch zunehmend unausgeglichen wirkt. Jean orientiert sich immer stärker an Claire, bewundert sie und beginnt, sich selbst durch deren Augen wahrzunehmen. Claire hingegen bleibt schwer greifbar und gibt nur wenig von sich preis, was die Dynamik zwischen ihnen zusätzlich kompliziert macht.

Ein zentrales Motiv des Romans ist die Frage, wie zwei Menschen dieselbe Situation erleben können und dabei doch zu völlig unterschiedlichen Wahrnehmungen gelangen. Das „Bild“ im Titel steht sinnbildlich für diese gemeinsame, aber individuell interpretierte Realität. Besonders in ihren Gesprächen und Begegnungen wird deutlich, wie häufig sie aneinander vorbeidenken.

Im Laufe der Geschichte wird spürbar, dass Jean sich in dieser Beziehung ein Stück weit selbst verliert. Erst nach und nach gelingt es ihr, Abstand zu gewinnen und sich wieder stärker mit sich selbst auseinanderzusetzen. Dieser innere Entwicklungsprozess steht im Mittelpunkt der Erzählung und wird ruhig sowie sehr detailliert beschrieben.

Insgesamt habe ich das Buch als eher leise und nachdenklich empfunden. Äußerlich passiert nicht besonders viel, doch innerlich durchläuft Jean eine bemerkenswerte Veränderung. Am Ende hatte ich das Gefühl, dass es weniger um die Beziehung zu Claire geht, sondern vielmehr darum, wie Jean Schritt für Schritt wieder zu sich selbst findet.