Wenn Bilder sprechen könnten
Wenn Bilder sprechen könnten
Haben wir uns das nicht alle schon mal gefragt? Zum einen ist es spannend zu wissen, was sie so alles sehen und hören, wenn man sich unbeobachtet fühlt. Auf der anderen Seite, was können sie uns über sich selbst erzählen?
Jean jedenfalls ist als Figur in einem Gemälde seines Vaters, Henri Matisse, gefangen. Als Museumsmitarbeiterin Claire entdeckt, wie sie in das Bild gelangen kann, erleben sie gemeinsam eine faszinierende Welt innerhalb der Kunstwerke. Doch ihr scheinbar grenzenloses Abenteuer wird plötzlich bedroht.
Die Idee selbst mag nicht neu sein, aber ich fand sie ganz toll umgesetzt. Ich habe mich ganz auf das Buch eingelassen und es als gegeben hingenommen, dass Figuren aus Bilder sprechen können. Was zunächst wie ein verwirrendes Spiel mit Realität und Fantasie wirkt, entfaltet sich beim Lesen erstaunlich selbstverständlich und mit einer schönen Leichtigkeit. Es fühlt sich fast natürlich an, dass Grenzen verschwimmen und ich mich irgendwo zwischen Museum, Kunstwerk und einer ganz eigenen Realität bewege.
Jean konnte ich dabei schnell in mein Herz schließen. In seiner stillen, fast zerbrechlichen Art passt er perfekt in die Welt, aus der er stammt. Gerade diese leise, zurückgenommene Erzählweise hat mich überrascht. Das Bild, in dem er selbst ist, ist “Die Musikstunde” von Matisse.
“Visuell stellt "Die Musikstunde" eine ruhige und intime Szene dar, in der der Künstler den Innenraum und die Beziehungen zwischen den Figuren sorgfältig komponiert. Im Zentrum spielt ein Kind Geige unter der Anleitung eines Erwachsenen, vermutlich eines Elternteils oder Lehrers.” Beim Lesen hatte ich tatsächlich ein etwas anderes Bild im Kopf. Aber genau das macht es am Ende ja noch spannender.
Claire bringt eine ganz andere Energie hinein. Ihre Begegnungen haben etwas Zartes, fast Unwirkliches. Es geht um zwei Menschen, die eigentlich nicht zueinander gehören können und sich trotzdem finden.
Sprachlich hat mich das Buch besonders abgeholt. Die Sprache ist ruhig, teilweise poetisch, ohne kitschig zu werden. Viele Szenen wirken nach. Eben so, als würde man selbst die Bilder im Museum ansehen.
Man sollte dieses Buch nicht zu sehr zerdenken. Es lebt davon, dass man sich darauf einlässt und diese kleinen Fantasien zulässt.
ISBN: 978-3455021189
Autor: Morgan Pager
Verlag: Hoffmann
ET: 04.03.26
Umfang: 352 Seiten
Haben wir uns das nicht alle schon mal gefragt? Zum einen ist es spannend zu wissen, was sie so alles sehen und hören, wenn man sich unbeobachtet fühlt. Auf der anderen Seite, was können sie uns über sich selbst erzählen?
Jean jedenfalls ist als Figur in einem Gemälde seines Vaters, Henri Matisse, gefangen. Als Museumsmitarbeiterin Claire entdeckt, wie sie in das Bild gelangen kann, erleben sie gemeinsam eine faszinierende Welt innerhalb der Kunstwerke. Doch ihr scheinbar grenzenloses Abenteuer wird plötzlich bedroht.
Die Idee selbst mag nicht neu sein, aber ich fand sie ganz toll umgesetzt. Ich habe mich ganz auf das Buch eingelassen und es als gegeben hingenommen, dass Figuren aus Bilder sprechen können. Was zunächst wie ein verwirrendes Spiel mit Realität und Fantasie wirkt, entfaltet sich beim Lesen erstaunlich selbstverständlich und mit einer schönen Leichtigkeit. Es fühlt sich fast natürlich an, dass Grenzen verschwimmen und ich mich irgendwo zwischen Museum, Kunstwerk und einer ganz eigenen Realität bewege.
Jean konnte ich dabei schnell in mein Herz schließen. In seiner stillen, fast zerbrechlichen Art passt er perfekt in die Welt, aus der er stammt. Gerade diese leise, zurückgenommene Erzählweise hat mich überrascht. Das Bild, in dem er selbst ist, ist “Die Musikstunde” von Matisse.
“Visuell stellt "Die Musikstunde" eine ruhige und intime Szene dar, in der der Künstler den Innenraum und die Beziehungen zwischen den Figuren sorgfältig komponiert. Im Zentrum spielt ein Kind Geige unter der Anleitung eines Erwachsenen, vermutlich eines Elternteils oder Lehrers.” Beim Lesen hatte ich tatsächlich ein etwas anderes Bild im Kopf. Aber genau das macht es am Ende ja noch spannender.
Claire bringt eine ganz andere Energie hinein. Ihre Begegnungen haben etwas Zartes, fast Unwirkliches. Es geht um zwei Menschen, die eigentlich nicht zueinander gehören können und sich trotzdem finden.
Sprachlich hat mich das Buch besonders abgeholt. Die Sprache ist ruhig, teilweise poetisch, ohne kitschig zu werden. Viele Szenen wirken nach. Eben so, als würde man selbst die Bilder im Museum ansehen.
Man sollte dieses Buch nicht zu sehr zerdenken. Es lebt davon, dass man sich darauf einlässt und diese kleinen Fantasien zulässt.
ISBN: 978-3455021189
Autor: Morgan Pager
Verlag: Hoffmann
ET: 04.03.26
Umfang: 352 Seiten