Zauberhaftes Glück im Museum

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piperowja Avatar

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Die junge, etwas klein gewachsene Claire arbeitet als Putzfrau in einem Museum, in dem Gemälde berühmter französischer Maler hängen. Besonders zieht sie ein Bild von Henri Matisse in ihren Bann, das seine gesamte Familie zeigt. Vorn sitzt Jean, vertieft in ein Buch, dahinter befinden sich sein Bruder Pierre und seine Schwester Marguerite am Klavier. Jean beobachtet Claire beim Putzen und freut sich, als sie am nächsten Abend wiederkommt.
Während sie mit dem Wischmopp durch den Raum geht, führt Claire Selbstgespräche, erzählt von ihrer Großmutter, bei der sie lebt, und bleibt immer wieder vor dem Matisse-Gemälde stehen, das sie intensiv betrachtet. Eines Abends versucht Jean, mit ihr Kontakt aufzunehmen, und spielt auf der Geige seines Vaters. Claire beobachtet ihn, doch sie kann die Musik nicht hören. Als er die Hand ausstreckt, ergreift sie sie – und wird in das Bild hineingezogen.
Von nun an besucht sie ihn jede Nacht, wenn sie putzt. Sie lernt den Garten des Hauses kennen und wird sogar zu einem Fest eingeladen. Die Figuren der anderen Gemälde sind von ihr begeistert und wundern sich, wie sie es geschafft hat, in ihre Welt einzutauchen.
Jean und Claire verlieben sich, und diese Szenen sind besonders einfühlsam beschrieben. Selbst Jeans Mutter ist von Claire angetan und freut sich, dass „sein Herz in guten Händen ist“.
Nach einigen Monaten schließt das Museum, und die Putzfrauen werden entlassen. Die Pandemie verändert Claires Leben: Man erfährt, dass sie eine kleine Tochter hat, ihr Freund sie verlassen hat und sie bei ihrer Großmutter wohnt. Für die Figuren in den Gemälden beginnt eine andere Zeit. Sie wandern umher, und auch Jean sucht verschiedene Landschaften auf. Er vermisst die Besucher und natürlich Claire. Er versucht sogar, die Schicht vor dem Gemälde zu durchdringen, doch vergebens.
Eines Tages wird im Museum wieder geputzt, und ein geheimnisvolles Tagebuch wird auf einem Podest aufgestellt. Die Besucher kehren zurück, und auch Claire erscheint erneut. Doch ihr Glück währt nur kurz.
Die Gedanken von Jean werden von der Autorin Morgan Pager (in der Übersetzung von Kerstin Fricke) so lebendig geschildert, dass man sich das Gemälde wunderbar vorstellen kann. Auch Claires Kapitel vermitteln ihre Gefühle und das Leben in zwei Welten sehr eindringlich.
Es ist ein faszinierendes Buch von Anfang bis Ende. Ich hätte gern noch weitergelesen und kann eine uneingeschränkte Leseempfehlung aussprechen.