Zwischen Romanze und Gedankenexperiment

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Unter dem Titel „Zwei in einem Bild“ kann man sich auf den ersten Blick vieles und nichts vorstellen – das Cover legt nahe, dass es tatsächlich um Bilder geht, aber was sich genau hinter dem Titel verbirgt, wird wohl die Lektüre weisen müssen.

Die befördert einen in eine Geschichte um Jean Matisse, den sein Vater auf Leinwand gebannt hatte (und ja, das darf man hier wörtlich nehmen). Dass er starr in diesem Bild „lebt“, fällt keinem auf – bis eines Tages eine neue Putzfrau, Claire, ihn „anspricht“ – natürlich ohne dass er reagierte. Claire plaudert während ihrer Touren mit ihm (und er würde nur zu gern antworten), nicht zuletzt, weil er ihr gefällt und sie gern bei ihm wäre … und genau das gelingt ihr eines Tages: Sie gelangt in sein Bild und erlebt dort eine faszinierende Welt, doch die ist fragiler als beide hofften.

So viel zu einer kurzen Handlungsskizze, anhand derer klar wird, dass der Titel mehr oder minder wörtlich zu nehmen ist. Natürlich liegt es nahe, das Bild mit „Nachts im Museum“ zu vergleichen – mich erinnerte es aber an ein anderes Buch, dessen Titel ich leider vergessen habe, aber dessen Protagonistin ebenfalls eine Putzfrau war. Interessant an der Geschichte war der Umstand, dass man eine Menge über Matisse‘ Welt (Jean Matisse war real) und Kunst lernt. Ansonsten schwankt sie zwischen Liebesgeschichte und Zeitreise bzw. Gedankenexperiment: Was wäre, wenn man wirklich in Bilder eintauchen könnte … und ein wenig wirkte es wie Überlegungen, wie es Zootieren gehen könnte (Was denken sie über Zoobesucher?). Geschrieben ist die Geschichte aus der Perspektive der jungen und teils etwas naiv wirkenden Protagonisten in einem leicht lesbaren Schreibstil. Alles in allem eine unterhaltsame Geschichte, die kein großes Nachdenken auslöst, mir beim nächsten Museumsbesuch aber vermutlich wieder einfällt. 3,5 aufgerundete Sterne