Intrigenpolitik

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wal.li Avatar

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Alles okay, Nina ist wirklich fein damit, dass ihr Ex-Mann mit seiner wesentlich jüngeren neuen Frau Zwillinge hat. Auch dass er in der Villa lebt und sie selbst in einer kleinen Wohnung. Ihre eigenen Kinder sind ihr ganzer Stolz und gehen so langsam ihren Weg. Aber soll das mit fast fünfzig Jahren wirklich alles gewesen sein? Dann lernt Nina den etliche Jahre jüngeren David kennen. Wenn sie nicht schon aus dem Alter raus wäre, könnte sie annehmen, sie ist verliebt. Mit einem so viel jüngeren Mann kann das natürlich nicht gutgehen. Und in Ninas Firma wollen die alten weißen Männer ihre Machtposition behalten.

Schon als Jugendliche hat sich Nina um ihre jüngere Schwester Lena gekümmert. Nicht immer sind die beiden einer Meinung, aber irgendwie raufen sie sich doch meist zusammen. Ein wenig neidisch ist Nina schon, weil Lena alles hat, was Nina verloren hat. Jedenfalls sieht es so aus. Gerade jetzt beschäftigt sich Nina auch damit, was ist, wenn es ihrer Mutter mal nicht mehr so gut geht. Gerade jetzt nach einem kleinen Unfall der Mutter, merkt sie, dass das schneller kommen kann als gedacht. In Ninas Firma spielen sich eigenartige Szenen ab, die ihr sehr zu denken geben. Bei allem, was auf sie einströmt, geraten die Gedanken an David fast ins Hintertreffen.

Dieses Hörbuch wird vorgetragen von Katja Riemann und Anna Maria Mühe. Dabei bringt die leichte angezickte Selbstironie von Katja Riemann eine große Lebendigkeit und die Kühle von Anna Maria Mühe einen angenehmen Gegensatz. Gerade der Gegensatz macht den Vortrag komplett.

Das Buch ist vor ungefähr einem Jahr erschienen und wegen des relativ langen und bunt gestalteten Titels aufgefallen. Wie so oft, gibt es einfach zu viele ansprechende Veröffentlichungen, so dass es der Nominierung für den deutschen Hörbuchpreis bedurfte, sich den Titel in Erinnerung zu rufen. Gerade die Interpretation durch die beiden Sprecherinnen gibt dem Roman noch eine zusätzliche positive Komponente. Auch die Thematik einer etwas älteren Frau, die einen jüngeren Mann kennenlernt, ist gut gewählt. Denn es ist leider immer noch so. Ein älterer Mann mit einer jüngeren Frau gilt als toller Hecht. Im umgekehrten Fall jedoch scheint man sich eher zu fragen, wie eine Frau sich das herausnehmen kann. Da sollte die Gesellschaft noch lockerer werden. Auch bei den Vorgängen in Ninas Firma kann man manchmal kaum glauben, dass die meist männlichen Vorgesetzten noch nicht weiter sind. Wobei, gemessen an aktuellen Veröffentlichungen und den Reaktionen darauf und dem Lauf der Welt insgesamt, muss man sich schon fragen, weit rückwärts die Entwicklung noch gehen soll. Da ist die durchaus humorvolle Aufarbeitung im vorliegenden Roman eine erfrischende Abwechslung. Beim Zuhören kann man sich ein wenig erholen und hoffen, das doch noch alles gut wird.

4,5 Sterne