Feministische Märchenfiguren

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mareike.buchliebe Avatar

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"Zwischen zwei Leben" von Minna Rytisalo wurde von Maximilian Murmann aus dem Finnischen übersetzt und ist ein wirklich außergewöhnlicher Roman.
Direkt zu Beginn des Buchs ändert die Protagonistin ihren Namen von Jenni Mäki zu Jenny Hill. Sie bricht auf, verlässt ihr altes Leben und lässt sich scheiden. Mit fast 50 und zwei erwachsenen Kindern wagt sie einen mutigen Neuanfang.
Begleitet wird sie dabei von den Ajattaras: Aschenputtel, Schneewittchen, Dornröschen, Gretel, Rapunzel und Rotkäppchen. "Wir missverstanden und durch Geschichten erniedrigten Frauen bilden in dieser anderen Wirklichkeit einen ganzen Chor, und hier haben wir die Freiheit, zu sein, wer wir sind, und zu sagen, was wir wollen" (S. 59). Die Märchenfiguren betrachten nicht nur das Leben der Protagonistin, sie berichten auch von ihren eigenen Erfahrungen: "Ich will zeigen, wie solche Dinge ablaufen und wie ein Leben zu einer Geschichte wird. Alles hängt davon ab, wer sie erzählt" (S. 56).
Obwohl ich 20 Jahre jünger bin als die Protagonistin, konnte ich mich oft mit ihr identifizieren. Das Buch war eine wirklich spannende und bereichernde, feministische und emanzipatorische Lektüre!