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christina2601 Avatar

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In ihrem Roman „Zwischen zwei Leben“ entwirft Minna Rytisalo das eindringliche Porträt einer Frau, die mit Ende vierzig beschließt, ihr bisheriges Leben radikal hinter sich zu lassen. Die Protagonistin Jenni führt eine Ehe, die nur noch aus Gewohnheit besteht, und bewohnt ein Haus, das ihr längst zum Gefängnis geworden ist. Als die Kinder ausziehen, bricht sie aus: Sie verlässt ihren Mann, legt ihren Namen ab und sucht als Jenny Hill in einer kleinen Stadtwohnung nach ihrer eigenen, unverfälschten Identität.
Rytisalo erzählt diesen Prozess der Selbstwerdung auf eine literarisch höchst originelle Weise, indem sie Jennys Alltag mit fiktiven Briefen an Brigitte Macron und den Kommentaren eines Chors aus Märchenfiguren verwebt. Diese Elemente dienen als kluge Reflexion über das Älterwerden, die gesellschaftliche Unsichtbarkeit von Frauen und die patriarchalen Rollenbilder, die uns seit Jahrhunderten prägen. Die Sprache ist dabei präzise, oft kühl und dennoch von einer emotionalen Wucht, die den Schmerz und die Befreiung eines Neuanfangs spürbar macht. „Zwischen zwei Leben“ ist somit kein gewöhnlicher Beziehungsroman, sondern ein scharfinniges, feministisches Manifest über den Mut, sich selbst treu zu werden, auch wenn die Hälfte des Lebens bereits gelebt scheint. Ein tiefgründiges und inspirierendes Werk über die Kraft der Neuerfindung.