Emotionspotential zwischen Drama und Jugendsprache
Die Leseprobe von dem Buch hat mich sehr doll angesprochen. Ein Jugendbuch mit Dystopie-Element, was mich von der Leseprobe und dem Konzept her an Numbers von Rachel Ward und Am Ende sterben wir sowieso von Adam Silvera erinnert hat.
Seit dem Tod ihrer Großmutter sieht die Protagonistin Sydney einen 72 Stunden Countdown über den Köpfen von Menschen, die nach Ablauf dieser Zeit sterben werden. Zu Beginn des Buches laufen grade die letzten Stundes des Countdowns ihres Mitschülers Liam und kurz danach trifft es eine Lehrerin… in dieser Zeit freundet sich Sydney mit ihrem neuen Mitschüler Peter an, und er erfährt von ihrer Gabe. Statt schweigend den Menschen beim Sterben zuzusehen, beginnen die beiden, gute Gesten für die Angezählten durchzuführen. Doch dann erscheint die nächste Uhr, und nach Ablauf dieser 72 Stunden wird nichts mehr so sein, wie es war…
„72 Stunden mit dir sind ein ganzes Leben wert.“
Das Konzept klang wirklich richtig gut. Aber die Ausführung war sehr… amerikanisch? Es gab detaillierte Diskussion über Amokläufe, und die Art, wie Deutsche und den Holocaust in Verbindung mit dem Judentum geredet wurde, ist mir irgendwie aufgestoßen. Sydney erbt ja die Gabe von ihrer Großmutter, dem jüdischen Teil der Familie, und es wird angeschnitten, dass diese von den Nazis verfolgt worden sind und in einem Lager untergebracht waren, wo die Oma das erste Mal diese Uhren gesehen und verstanden hat. Vielleicht ist das einfach meine Perspektive als Deutsche, aber ich finde das irgendwie keinen… respektvollen und passenden Umgang mit der Geschichte. Und ich hätte mir auch noch irgendeine Art von Erklärung oder Ursachensuche zu den Uhren gewünscht, oder wenigstens ein Nachdenken über den Sinn der Sache. Wenn Peter schon so viel Sartre und Co. zitiert, dann hätte man ja hier auch die Existenz passenderweise hinterfragen müssen.
Zudem kommt in diesem Jugendbuch viel Jugendsprache vor, die ich persönlich eher als gezwungen empfunden habe. Auch die Anspielungen an Pop-Kultur waren für mich nicht so authentisch – das ist immer die Schwierigkeit, wenn Erwachsene Jugendbücher schreiben, ob sie einen authentischen Ton treffen oder nicht.
Das Buch hatte viel Potential für Emotionen und leider muss ich sagen, dass besonders zum Ende – also eigentlich dem emotionalsten Höhepunkt – Action und Drama an die Stelle kommen, an der ich gerne mehr Herzschmerz gehabt hätte. Generell war ich auch nicht so der Fan von der Charles-Storyline…
Und so bekommt das Buch von mir leider nur 2,5 Sterne. Es hat sehr spannend und stark angefangen, aber vieles an dem Konzept war einfach nicht so rund für mich.
Seit dem Tod ihrer Großmutter sieht die Protagonistin Sydney einen 72 Stunden Countdown über den Köpfen von Menschen, die nach Ablauf dieser Zeit sterben werden. Zu Beginn des Buches laufen grade die letzten Stundes des Countdowns ihres Mitschülers Liam und kurz danach trifft es eine Lehrerin… in dieser Zeit freundet sich Sydney mit ihrem neuen Mitschüler Peter an, und er erfährt von ihrer Gabe. Statt schweigend den Menschen beim Sterben zuzusehen, beginnen die beiden, gute Gesten für die Angezählten durchzuführen. Doch dann erscheint die nächste Uhr, und nach Ablauf dieser 72 Stunden wird nichts mehr so sein, wie es war…
„72 Stunden mit dir sind ein ganzes Leben wert.“
Das Konzept klang wirklich richtig gut. Aber die Ausführung war sehr… amerikanisch? Es gab detaillierte Diskussion über Amokläufe, und die Art, wie Deutsche und den Holocaust in Verbindung mit dem Judentum geredet wurde, ist mir irgendwie aufgestoßen. Sydney erbt ja die Gabe von ihrer Großmutter, dem jüdischen Teil der Familie, und es wird angeschnitten, dass diese von den Nazis verfolgt worden sind und in einem Lager untergebracht waren, wo die Oma das erste Mal diese Uhren gesehen und verstanden hat. Vielleicht ist das einfach meine Perspektive als Deutsche, aber ich finde das irgendwie keinen… respektvollen und passenden Umgang mit der Geschichte. Und ich hätte mir auch noch irgendeine Art von Erklärung oder Ursachensuche zu den Uhren gewünscht, oder wenigstens ein Nachdenken über den Sinn der Sache. Wenn Peter schon so viel Sartre und Co. zitiert, dann hätte man ja hier auch die Existenz passenderweise hinterfragen müssen.
Zudem kommt in diesem Jugendbuch viel Jugendsprache vor, die ich persönlich eher als gezwungen empfunden habe. Auch die Anspielungen an Pop-Kultur waren für mich nicht so authentisch – das ist immer die Schwierigkeit, wenn Erwachsene Jugendbücher schreiben, ob sie einen authentischen Ton treffen oder nicht.
Das Buch hatte viel Potential für Emotionen und leider muss ich sagen, dass besonders zum Ende – also eigentlich dem emotionalsten Höhepunkt – Action und Drama an die Stelle kommen, an der ich gerne mehr Herzschmerz gehabt hätte. Generell war ich auch nicht so der Fan von der Charles-Storyline…
Und so bekommt das Buch von mir leider nur 2,5 Sterne. Es hat sehr spannend und stark angefangen, aber vieles an dem Konzept war einfach nicht so rund für mich.