Business, Liebe und Cinderella

Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern Leerer Stern
soleil Avatar

Von

Inhalt
Als das Geschäft der Familie Shin Haris in Not gerät, bietet ihre beste Freundin Yeongseo ihr Geld, damit sie für sie an einem von den Eltern arrangierten Blind Date teilnimmt. Der Mann soll gründlich abgeschreckt werden. Doch dann erscheint Kang Taemu – Haris CEO in der Firma. Dieser wurde von seinem Großvater zum Date genötigt und ist fest entschlossen, die Dame zu heiraten, egal was passiert, um weitere Dates zu umgehen. Hari darf auf keinen Fall erkannt werden, sonst wird sie gefeuert und Yeongseo verliebt sich in den Sekretärs Taemus. Was niemand von ihnen ahnt: Der hat das Spiel längst durchschaut.


Meinung
Diese südkoreanische Liebeskomödie, die als Webnovel begann, als Webtoon (Manhwa) adaptiert wurde und weltweiten Erfolg als K-Drama (filmisch) feierte, ist äußerst unterhaltsam. Die Autorin hat es geschafft, mannigfaltige Höhen und Tiefen, etliche Wendepunkte und Überraschungen einzubauen, so dass die Seiten nur so vorbeifliegen. Leider hat das aber auch dazu geführt, dass sie sich für die Figuren nicht ganz so viel Zeit nehmen konnte, was diese leider recht schablonenhaft wirken lässt. Gerade Taemu ist nur der gutaussehende Mann im Anzug, kalt, Boss und reich, der immer seinen Willen durchsetzt. Außer in der Firma oder mit Hari bekommt ihn der Leser nicht zu sehen. Einzig sein Großvater verrät ein paar familiäre Details, aber auch das nur äußerst spärlich.
Hari dagegen ist eine junge Büroangestellte mit Eltern und jüngerem Bruder und seit Jahren verliebt in einen Studienkollegen, der sie gar nicht richtig wahrnimmt. Ihre Freundin Yeongseo stammt aus so vermögendem Hause, wo Hari stets kämpfen musste, da ihre Familie kaum etwas besitzt.
Wer öfter einmal in asiatische Romane reinschmökert wird mit dem Beginn keine Probleme haben. Es startet mit einem Heiratsantrag, der nervös und mit Lügen abgelehnt wird. Dann werden die wichtigsten Figuren vorgestellt, ehe das erste Blind Date stattfindet. Danach erfolgt Verwirrspiel auf Verwirrspiel. Hari begegnet ihrem Chef auch in der Firma, er erkennt sie allerdings nicht. Im ersten Teil der filmischen Serie (die kostenfrei im www zu sehen ist) ist das besser dargestellt worden als hier, nämlich mit Perücke und ohne Brille. Hier soll nur ein dicker Kajal bzw. dessen Fehlen verhindern, dass Taemu sie erkennt.
Wirklich zu durchschauen sind die Gefühle der Charaktere leider nicht. Dass Hari ihr Chef gefällt, wird regelmäßig mit plumpen Gedanken erzählt („Warum muss er so gut aussehen?“) und auch ihr rutscht zweimal der Rock hoch und Taemu kann den Blick nicht von den Beinen abwenden. Nur was genau zieht beide zusammen? Diese Info fehlt komplett. Als es gerade so aussieht, dass sie sich näherkommen, taucht Haris Jugendliebe auf und es ist nicht so recht zu verstehen, warum das nun alles ins Wanken bringt. Auch glaubt sie offenbar, ihr Chef erlege ihr die gemeinsame Zeit auf, um sich zu rächen – nur wieso? So recht war das Verwirrspiel dann leider nicht mehr zu durchschauen. Und die schnellen Wechsel haben leider für so viel ständige Abwechslung gesorgt, dass es, gemeinsam mit der fehlenden Charakterentwicklung, fast ein bisschen fade wurde. Aber das kommt so dicht am Ende, dass es nicht zu stark ins Gewicht fällt.
Überzeugen können die Nebenfiguren, sowohl der Großvater als auch das zweite Paar, das neben dem Hauptpaar installiert wird. Was ein bisschen besser geht, ist die Übersetzung bzw. das Lektorat.
Insgesamt ist „Liebe braucht keinen Businessplan“ eine rasch gelesene, unterhaltsame Geschichte, die zwar nicht lange im Gedächtnis bleiben wird, aber für zwei Nachmittage im Garten oder auf dem Balkon bestens geeignet ist. Als Serie funktioniert sie vermutlich bestens, aber es ist zu merken, dass die Autorin mit der belletristischen Umsetzung, besonders der Darstellung von Gefühlen und Gedanken, ihre Probleme hatte. Wer darüber hinwegsehen kann und nur leichte Unterhaltung, dafür aber satt sucht, ist bestens beraten.