Mein erstes K-Drama

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coni90 Avatar

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Hari geht anstelle ihrer Freundin auf ein Blinddate, um diese vor einer Heiratsvermittlung durch ihre Familie zu retten. Als ihr Datingpartner sich aber als ihr Chef herausstellt und hartnäckig darauf beharrt, sie müssten nun heiraten, wird Hari zunehmend in die Enge getrieben. Kann sie sich aus der Situation herauslarvieren, ohne ihren Job zu verlieren?

"A Business Proposal 1" war mein erster Ausflug in die Welt der koreanischen RomComs und K-Dramen – entsprechend musste ich mich zunächst an den Erzählstil und die Dramaturgie gewöhnen. Der Schreibstil ist wirklich sehr einfach gehalten, eher hölzern und stark dialoglastig. Dadurch las sich das Buch zwar ausgesprochen schnell, wirkte auf mich aber ungewohnt sowie stellenweise sprunghaft und oberflächlich.

Ich liebe es, beim Lesen mehr über andere Kulturen zu lernen, und so gefielen mir hier die Einblicke in die koreanische Kultur sehr. Sehr wichtig war es für mich dabei zu erfahren, dass Blind Dates und damit einhergehende gesellschaftliche Erwartungen in Korea offenbar einen ganz anderen Stellenwert einnehmen. Dies hätte ich gerne bereits zu Beginn gewusst, denn diese Information, die ich erst zum Ende des Romans erhielt, machte manche Verhaltensweisen nachvollziehbarer, auch wenn sie aus westlicher Sicht oft ungewohnt wirkten. Als ich Kenntnis davon hatte, konnte ich wohlwollender auf das Gelesene zurückblicken. Diese kulturellen Unterschiede waren für mich wirklich einer der interessantesten Aspekte des Romans.

Mit der Handlung hatte ich ein wechselhaftes Verhältnis. Viele Situationen sind bewusst überzogen und erinnern eher an eine Soap oder ein Filmskript als an einen klassischen Liebesroman. Wer Freude an humorvollen Missverständnissen, viel Drama und einer ordentlichen Portion Situationskomik hat, dürfte hier gut unterhalten werden. Obwohl das eigentlich gar nicht so meins ist, wollte ich dennoch ständig wissen, wie es weitergeht. Das Buch entwickelt also einen gewissen Sog.

Mit den Figuren bin ich allerdings nicht richtig warm geworden. Während einige Charaktere im Verlauf an Tiefe gewinnen, empfand ich andere zunächst als sehr arrogant oder wenig sensibel. Gerade manche Dynamiken zwischen den Hauptfiguren sowie das Machtgefälle am Arbeitsplatz, schließlich datet Hari ihren Chef, haben bei mir gemischte Gefühle ausgelöst. Einige Verhaltensweisen wirkten auf mich aus heutiger Sicht äußerst problematisch und hätten aus meiner Sicht kritischer eingeordnet werden müssen. Positiv hervorheben möchte ich allerdings, dass das Nachwort des Verlags genau diese toxischen Beziehungsmuster thematisiert und einordnet. Somit wird hoffentlich auch den jüngeren LeserInnen klar, dass es sich hier um keine erstrebenswerte Liebesbeziehung handelt.

Auch die Kommunikation der Figuren ließ mich gelegentlich schmunzeln, allerdings eher aus Frust. Viele Missverständnisse könnten durch ein einziges offenes Gespräch aus der Welt geschafft werden. Dadurch wirkte manches Drama für mich etwas konstruiert und ich erwischte mich hin und wieder beim Augenrollen.

Dennoch hat das Buch auch viele charmante Momente. Gerade die humorvollen Szenen, die langsam aufkeimende Romantik und einige wirklich niedliche Begegnungen sorgten dafür, dass ich weiterlesen wollte.

Fazit: Insgesamt hat mich "A Business Proposal 1" gut unterhalten, auch wenn mich einige Aspekte der Figurenzeichnung und der Beziehungsdynamik abschreckten. Wer leichte, comicartige RomComs mit viel Drama, Humor und koreanischem Flair sucht, wird hier wahrscheinlich auf seine Kosten kommen. Ob ich die Reihe weiterlese, weiß ich noch nicht – neugierig auf den weiteren Verlauf bin ich durchaus, auch wenn mich Band 1 nicht vollständig überzeugen konnte.