Ein bewegendes und feinsinniges Debüt!

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Die Schwestern Juna und Martha haben sehr wenig gemeinsam. Während Juna (17) immer im Mittelpunkt steht, beliebt sowie künstlerisch hochbegabt ist und auch schon einen Freund hat, ist Martha nur die kleine Schwester und ein Anhängsel, das immer so mitläuft im Schatten von Juna. Erst als Martha den Ausweis ihrer älteren Schwester klaut und sich damit heimlich einen Nebenjob im Kino ergattert, ändert sich die Lage für die 13jährige.
Die Schwestern teilen sich zusammen ein Zimmer in der gemeinsamen Wohnung mit dem alleinerziehenden und überlasteten Vater in Giesing. Von der Mutter wissen die beiden nicht viel, da sie bereits bei Marthas Geburt verstorben ist. Dieser Umstand belastet die jüngere Schwester zunehmend. Juna hat außerdem eine seltene Krankheit (das Usher-Syndrom): sie ist seit ihrer Geburt schwerhörig und ihr Sehvermögen lässt mit zunehmendem Alter nach, bis sie in ein paar Monaten komplett erblinden wird. Ihr Traum von der Kunsthochschule droht zu platzen.

„Alles in meinem Leben ist eine Abwägung: Je gefährlicher etwas ist, desto eher sollte ich darauf verzichten. Aber je mehr ich verzichte, desto gefangener bin ich. Ich will nicht wegen jeder Kleinigkeit auf andere Menschen angewiesen sein. Ich will nicht, dass meine Welt so klein ist, dass sie irgendwann nur noch aus den fünfzehn Quadratmetern meines Zimmers besteht.“ (S. 263)

Junas großes Vorbild ist die Künstlerin Lotte Laserstein. Nach einem weiteren Schub im Krankheitsverlauf, beschließt sie spontan nach Malmö zu fahren, um eine Ausstellung und ihr Lieblingsbild der Malerin zu sehen. Die beiden Schwestern raufen sich dafür zusammen und begeben sich auf einen ereignisreichen Roadtrip nach Schweden.

Ich mochte den angenehm lockeren und leichten Schreibstil, der im Gegensatz zu der emotionalen Schwere der Themen steht. Die wechselnde Perspektive zwischen den beiden Schwestern hat bestimmte Situationen ganz differenziert und unterschiedlich dargestellt. Ich fand es sehr spannend, beide Ansichten zu lesen, die sich schön ergänzt haben. Auch die positive und optimistische Grundeinstellung des Romans sowie der authentische Umgang mit Junas seltener Krankheit, deren Verlauf und Auswirkungen auf die Familie haben mir sehr gut gefallen. Eine wirklich gelungene Coming-of-Age Geschichte, bei der sich nicht nur die einzelnen Charaktere, sondern auch die Beziehungen zwischen diesen weiter entwickeln. Mir hat auch gefallen, wie mit den Erinnerungen an die Mutter umgegangen wird und wie diese in die Geschichte einbezogen sind. Einen kleinen Punkt Abzug gibt es jedoch, da für mich der Roadtrip insgesamt etwas zu kurz kam.

Ein berührender und feinsinniger Roman über Geschwisterliebe, alte und neue Freundschaften, Existenzängste, einen Roadtrip nach Malmö, Mut, Wut, Verlust, Frust, familiären Zusammenhalt, Versöhnung und das Finden und Einschlagen neuer Wege. Für mich ein beeindruckendes und bewegendes Debüt, das ich sehr gerne gelesen habe!