Endlich

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majca_ Avatar

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"Erst jetzt, Dekaden und unzählige Flaschen Wein und Kopfschmerztabletten später, bin ich endlich so geworden, wie ich nie werden wollte."

Seit ein paar Jahren fühle ich mich zunehmend auch endlich alt genug. Allein der Titel hat mich deshalb direkt angesprochen. Trotz dieses Gefühls und einer überzeugenden Leseprobe bleibe ich bei Romanen dieser Art zunächst skeptisch. Zu schnell werden sie zu kalkulierten Wohlfühlgeschichten, charmant, versöhnlich, mit diesem gewissen Humor, ohne dass viel gesagt oder gewagt wird.

'Alt genug' besitzt durchaus viel Wärme und eine optimistische Grundhaltung, besticht im Kern jedoch durch eine Ehrlichkeit, die der Erzählung eine angenehme Rohheit verleiht, etwas, was ich in dem Genre oft vermisse. Es ist eine Ode an das Leben mit all seinen Ecken und Kanten, mit Momenten der Selbstentblößung (im besten Sinne), und schafft es gerade dadurch, das Älterwerden nicht nur zu thematisieren, sondern zu feiern.

Die Autorin formuliert an einer Stelle sinngemäß den Wunsch, mit diesem Roman ernster genommen zu werden und sich aus der Zuschreibung reiner „Frauenliteratur“ zu lösen. Nachvollziehbar, da die Branche entsprechende Themen tendenziell vorschnell abwertet. Was unglücklicherweise genau jene Skepsis nährt, mit der ich solchen Büchern zunächst begegne. Gleichzeitig sehe ich hier weniger einen Bruch mit dem Genre als vielmehr den Beweis dafür, wieviel Tiefe, Authentizität und Reibung innerhalb dieses Rahmens möglich sind. Gerne mehr davon.