Stabil mit Stil

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Ildikó von Kürthy ist endlich “Alt genug“.
Alt genug für bequeme Unterwäsche und für bequeme Schuhe, alt genug, um nicht mehr jedem gefallen zu müssen oder zu wollen. Alt genug, um selbstbewusst für sich auf- und ein-zustehen (oder im Zweifelsfall auch mal sitzenzubleiben). Alt genug.

Ildikó von Kürthy nimmt uns mit an einem Samstagabend. Vom getting ready für die Geburtstagsparty einer Freundin, mit doppelter Mascara und goldenen Stiefeletten, durch dunkle Treppenhäuser, auf Balkon und Tanzfläche bis hin zum nächtlichen Heimweg. Zwischendurch erzählt sie von sich, ihren Erlebnissen, ihren Neurosen, von Menschen, die sie getroffen hat, die sie heute noch begleiten.
Ildikó von Kürthy zieht Bilanz, so kurz vor 60.

Als 1999 ihr erster Roman “Mondscheintarif“ erscheint, ist sie längst eine erfolgreiche Journalistin. Ich bin Anfang 20 und begeistert. In der Folge lese ich viele weitere Bücher von ihr, schließlich auch ihre Kolumnen in der Brigitte. Irgendwann ändern sich meine Lesegewohnheiten, und Ildió von Kürthy verschwindet von meinem Radar. Im letzten Jahr schenkte mir eine Freundin ihr Buch “Eine halbe Ewigkeit“ – und da war es wieder, dieses Ildikó-Gefühl. Wie heimkommen, gesehen werden. Eine durquatschte Nacht mit einer Freundin.
"Alt genug“ fühlt sich genauso an. Sehr vertraut, sehr offen und nah. Ildikó von Kürthy nimmt kein Blatt vor den Mund, rechnet mit ihrem jüngeren Selbst auf und ab. Erst kam mir das ein bisschen radikal vor – und dann dachte ich: Wer sollte denn so über sie reden dürfen, wenn nicht sie selbst? Kürthy ist im Großen und Ganzen mit sich im Reinen, so scheint es. Sie weiß, was ihr guttut und was sie lieber lässt und bleibt sich dabei immer treu. Die immer wieder eingestreuten Anekdoten sind wunderbar formuliert, manchmal gewohnt humorvoll, aber auch ernsthaft und tiefsinnig. Vieles habe ich von Kürthy nicht gewusst und war sehr überrascht: Probleme mit dem Selbstbewusstsein? Zweifel an den eigenen Fähigkeiten - diese Frau? Kürthy spricht offen über Ängste und macht damit Mut. Und das tut sie so sympathisch, ehrlich und schonungslos, dass es mir eine Freude war, "Alt genug“ zu lesen.
Ein paar ihrer Geschichten habe ich auf ihrem Instagram-Account wiedergefunden. Wer möchte, findet dort das „Putenessen für Puten“ oder eine wunderbare und aus einem sehr berührenden Grund entstandene Hommage an ABBA.
Ein Buch für Freundinnen. Von einer Freundin. Danke, liebe Ildikó von Kürthy.