Sprachlich beeindruckend!

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Am Ende eines Semesters (wie jetzt gerade) und auch am Ende eines Romans bemächtigt sich meiner manchmal eine gewisse Wehmut, insbesondere, wenn ich es schade finde, dass es vorbei ist.
Ganz genau dieses Gefühl habe ich heute, nachdem ich dieses Buch zu Ende gelesen habe.
Was auf dem Umschlag des Romans steht ("Berührend und poetisch"), hat sich als wahr erwiesen.

Doch zunächst möchte ich kurz auf den Inhalt von "Betrunkene Bäume" eingehen.
Katharina, eine Jugendliche von etwa 16 - 18 Jahren (also beinahe volljährig), ist von zu Hause ausgebrochen, als ihr Vater Rolf angesichts der kriselnden Ehe eine Arbeit im weit entfernten Sibirien annimmt. Katharina kommt erst einmal in einer leer stehenden Wohnung ihres "Freundes" Hugo unter.
In der Nachbarwohnung gegenüber wohnt Erich Warendorf, schon über 80 Jahre alt und trotzdem noch immer begeisterter "Baumwissenschaftler" oder auch Dendrologe. Als junger Mann war er auf einer Expedition in Sibirien, die sein Leben verändern sollte. Dort lernte er seine (jetzt frühere) Frau Dascha kennen, dort hat er aber auch "Schuld auf sich geladen".
Und irgendwie lernen sich Erich und Katharina sehr schnell kennen, und sie werden schnell miteinander vertraut. Sie verbindet etwas Einmaliges.

Ich habe nicht viel zu kritisieren an diesem Roman, aber einen zentralen Punkt muss ich erwähnen:
Warum wird auf dem Umschlag von einer Schuld gesprochen, die Erich auf sich genommen haben soll?
In dem Roman selber ist davon kaum etwas zu spüren und zu erahnen, und was sich in Sibirien abgespielt haben soll, bleibt im Wesentlichen im Dunklen und im Unklaren. Dies rechtfertigt es für mich nicht, dann von "Schuld" zu sprechen.
An diesem Punkt schweigt das Buch (also über die Dreiecksbeziehung Wolodja - Dascha - Erich).

Ansonsten ist es mir unmöglich, diesen Roman zu kritisieren. Ich muss ihn vielmehr loben, für seinen Sprachstil, der oft poetisch ist, für seine einfühlsamen und überwiegend tiefgründigen Charaktere, für die Raffinesse der Geschichte.

Am schönsten finde ich, wie die Autorin Ada Dorian mit Sprache "wunderschöne" Bilder erzeugen kann, wodurch gerade das Gefühl, in Sibirien (über-) leben zu müssen, gut herüberkommt.
An diesem Buch finde ich das am beeindruckendsten.

Sprachlich finde ich "Betrunkene Bäume" ein äußerst beeindruckendes Debüt, das ich allein schon deswegen zwingend zum Lesen empfehlen muss.
Auch die Geschichte ist tiefgründig und regt zum Nachdenken an.

Klare Leseempfehlung! Bravo, Ada Dorian!