Gut konstruierter Spannungsroman

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kurzundbuch Avatar

Von

Blut für Blut – Anna Schneider
⭐️⭐️⭐️⭐️✨

Als Krimi ausgewiesen, für mich aber eigentlich viel näher am Psychothriller: „Blut für Blut“ hat genau das geliefert, was ich mir von einem guten Thriller wünsche.

Im Mittelpunkt steht die junge Fotografin Sophie, die sich gerade aus einer toxischen Beziehung befreit hat, ohne Geld und ohne Bleibe dasteht und schließlich einen Auftrag bei einer wohlhabenden Familie annimmt. Schon dort merkt man schnell: Irgendetwas stimmt nicht. Sophie hat außerdem ständig Angst, dass ihr Ex sie aufspüren und zurückholen könnte.

Und auch in der Familie ist längst nicht alles so, wie es scheint. Die Geschichte springt zwischen Gegenwart, Rückblenden und kurzen Perspektivwechseln hin und her. Nach und nach erfahren wir mehr über einen grausamen Mord, der sich vor 20 Jahren in Sophies Familie ereignet hat: Ihr Vater wurde getötet, ihr Bruder gilt seitdem als Mörder und ist verschwunden.

Viele dieser eingestreuten Bruchstücke konnte ich zunächst überhaupt nicht einordnen. Genau das hat für mich aber funktioniert. Zwischendurch werden sogar Begriffe wie Trauma, Psyche oder Rache aufgegriffen und erklärt und dadurch wurde ich als Leserin immer stärker in einer Erwartung gedrängt.

Die letzten beiden Twists und die anschließende Auflösung haben mir richtig gut gefallen. Für mich wurde hier vieles schlüssig zusammengeführt, ohne dass ich vorher schon alles durchschaut hätte.

Sprachlich liest sich das Buch flüssig und leicht. Stellenweise hat mich der Stil sogar ein bisschen an Freida McFadden erinnert. Die Passagen rund um Sophies Fotografie und das Entwickeln ihrer Bilder waren für mich manchmal etwas ausführlicher als nötig, haben den Lesefluss aber nicht wirklich gestört.

Für mich ist „Blut für Blut“ deshalb deutlich mehr Thriller als Krimi: beklemmend, gut konstruiert und mit einer Spannung, die bereits früh einsetzt.