Atemlos
Blutwild ist ein Thriller, der nicht nur auf Spannung setzt, sondern auf die seelischen Nachbeben eines Traumas. Für mich war genau das der stärkste Teil des Buches. Anka ist keine unzerstörbare Ermittlerin, sondern ein Mensch, der mit Erinnerungen lebt, die sich nicht abschütteln lassen. Die Vergangenheit ist nicht vorbei, sie verändert, verzerrt, zerreißt. Die SMS, die GPS-Koordinaten und schließlich die Waldhütte wirken wie ein Schlag ins Gesicht, nicht nur für Anka, sondern auch für mich als Leser. Der Fund der »Kunstwerke« ist so grotesk wie bedrückend und zeigt, wie nah Kunst und Grauen manchmal beieinander liegen können. Dass der Täter nicht nur tötet, sondern arrangiert, deutet auf eine perfide Form von Kontrolle hin, die viel tiefer geht als reine Gewalt. Beeindruckt hat mich, wie das Buch den psychischen Zustand von Anka ernst nimmt. Es geht nicht um Coolness, sondern um das Nachhallen von Angst, um Panik, Flashbacks, Scham, Wut und den bitteren Gedanken, ob man je wieder sicher sein kann. Gleichzeitig bleibt die Handlung straff und lässt einen kaum aufatmen. Für mich 5 Sterne.