Vollgas der Gefühle

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Der Roman von Grace Newman ist eine Formel-1-Romance mit Rivals-to-Lovers im Fahrersitz und ehrlich gesagt genau das, was ich nach einem langen Tag lesen wollte. Zu PR-Zwecken werden aus Georgia und Luca ein Liebespaar, was erst mal problematisch ist, da die beiden Rivalen sind und sich nicht ausstehen können. Doch dann kommt es, wie es kommen muss und die beiden kommen sich (unfreiwillig) näher.

Die Geschichte rast so flüssig dahin, dass man kaum merkt, wie die Seiten wegflutschen. Die Perspektiven wechseln bewusst zwischen den Hauptcharakteren, was Spaß macht und so auch tiefere Einblicke in ihre Gefühlswelt erlaubt. Was diese Liebesgeschichte besonders macht, ist der prickelnde Funke zwischen den Rivalen. Es duftet nach Spannung, nach Neckereien am Rand der Rennstrecke, nach Konkurrenzkampf und gleichzeitiger Abneigung wie Anziehung, also typisch spicy, aber nicht überladen. Die chemische Spannung kommt klar rüber, ohne ins Kitschige abzudriften. Zwischendurch bleibt der Ton locker, witzig, mit ein paar frechen Dialogen, die ein Grinsen aufs Gesicht zaubern.

Ab und zu merkt man dem Buch allerdings an, dass der Tiefgang manchmal auf der Strecke bleibt. Es fehlt dort ein wenig an anspruchsvollem Inhalt und mehr gravierender Charaktertiefe, mehr Gründe, warum die Figuren so handeln, wie sie handeln. Trotzdem bleibt die Lektüre unterhaltsam und macht einfach Spaß. Die Einblicke hinter die Kulissen der Formel 1 wirken frisch und interessant: Man erhält Einblicke in den Druck, der auf den Fahrern und Teams lastet, die Abläufe vor und während eines Rennens und natürlich auch den Pressekonferenzen und Medien. Deswegen kann man verstehen, warum manche Momente in der Boxengasse so brisant sind. Das gibt der Geschichte einen authentischen Kick, der über das übliche Liebesgeplänkel hinausgeht.

Was die Gefühlswelt der Protagonisten angeht, gelingt dem Buch ein glaubwürdiger Blick auf Ambitionen, Loyalität, Unsicherheit und den Druck, der hinter jeder Kurve lauert. Man erlebt Höhen- und Tiefenmomente mit ohne sich in endlosen inneren Monologen zu verlieren. Nicht jeder literarische Anspruch wird erfüllt, aber das braucht es hier auch nicht: Die Geschichte bleibt bodenständig, direkt und gut zu lesen.

Wer also eine flotte, sexy Rennbahn-Romance sucht, die gut unterhält, spannende Einblicke in das Formel-1-Leben gibt und mit sympathischen Figuren aufwartet, der wird mit diesem Buch fündig. Tiefgang-Manko hin oder her, es macht einfach Spaß, sich von der Geschwindigkeit mitreißen zu lassen. Eine solide, kurzweilige Lektüre ohne großen literarischen Ehrgeiz, aber unterhaltsam, spicy, flüssig.