Beängstigend
Beängstigend. Die Vision einer nahen Zukunft, deren erste Anzeichen in der Gegenwart bereits erkennbar sind. "Das Dream Hotel" von Laila Lalami reicht mit seiner Story nicht ganz an das Gefühl heran, was mich in ferner Vergangenheit befallen hatte, als ich Ken Kesey's 'Einer flog übers Kuckucksnest' gelesen habe - eine ängstliche Beklemmung. In Laila Lalamis Roman wird die Hauptfigur Sara bei ihrer Rückkehr von einer Geschäftsreise auf dem Flughafen einer Personenkontrolle durch das 'Amt für Risikobewertung' unterzogen und wegen ihres angeblich zu hohen Risikowertes in Gewahrsam genommen. Der Risikowert speist sich aus einer Vielzahl von Datenquellen, u.a. einer Analyse der nächtlichen Träume und der Verhaltensweisen in sozialen Kontexten, und dient dazu, eine Vorhersage für kriminelle Handlungen zu treffen. Sara ist verwundert, weil sie ihren angeblich erhöhten Risikowert nicht nachvollziehen kann und nie und nimmer auf die Idee käme, ihrem Ehemann Elias oder ihren beiden dreijährigen Zwillingen in irgendeiner Weise zu schaden; Sara bleibt keine Wahl, als sich ihrem Schicksal zu fügen und findet sich bald mit anderen Frauen wieder in einer 'Anstalt für Einbehaltene' - einer 'totalen Institution' mit differenzierter bis willkürlicher Verhaltenskontrolle. Die Autorin beschreibt recht gut, wie die Institution Sara im Laufe der Monate verändert - hin und her gerissen zwischen Anpassung und Rebellion, fast schon im Glauben an eine tatsächliche eigene Schuld. Dieser Prozess ist der eigentliche Kern der Geschichte; das Ende hingegen kommt ein wenig kurz und hätte es verdient gehabt, tiefer ausgeleuchtet zu werden. Gleichwohl: Ein absolut lesenswertes Buch.