Phänomenale Idee eines erschreckenden Szenarios

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vanessa_91 Avatar

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Meine Meinung

Packende Grundidee, toller Schreibstil

Ich habe "Das Dream Hotel" von Laila Lalami gelesen und war tief beeindruckt, aber auch erleichtert, dass diese Welt, so glaubwürdig sie geschildert ist, hoffentlich noch weit von unserer Realität entfernt bleibt. Der Roman entwirft ein Szenario, in dem Träume von Algorithmen überwacht und analysiert werden, um das Risiko zukünftiger Straftaten zu bewerten. Allein diese Vorstellung ist gleichermaßen faszinierend und beängstigend. Lalami führt vor, wie schnell Kontrolle, Sicherheit und Überwachung zu einem entmenschlichten System verschmelzen können. Ich fand das erschütternd und gleichzeitig fesselnd.

Was mich besonders überzeugt hat, ist die Sorgfalt, mit der Lalami ihre dystopische Welt konstruiert. Alles wirkt durchdacht: die Bürokratie, die Sprache der Behörden, die kalte Logik des Systems.

Die Autorin beschreibt kein Horrorszenario (wenn man sich in dieser Situation selbst befinden würde ist es wohl eines), sondern eine scheinbar vernünftige Ordnung, die sich nach und nach als Albtraum entpuppt. Gerade diese Ruhe, dieses Fehlen offener Gewalt, macht das Buch so intensiv. Ich hatte ständig das Gefühl, dass "etwas Grundsätzliches nicht stimmt". Eine unterschwellige Unruhe, die bis zur letzten Seite anhält und mich als Leserin absolut gefesselt hat.

Auch sprachlich hat mich der Roman überzeugt. Lalami schreibt präzise, dicht, ruhig und ohne unnötige Ausschmückung, aber so, dass die Ungerechtigkeit im ganzen Buch laut schreit.

Großartig fand ich auch die detaillierte Deklarierung wie "Einbehaltenen" und die Namen der einzelnen Systeme, die Lalami sich ausgedacht hat – sie machen die Welt noch glaubwürdiger und eindringlicher.

Spannend von der ersten bis zur letzten Seite

Für mich ist "Das Dream Hotel" ein großartiger, eindringlicher Roman, eine phänomenale Idee eines erschreckenden Szenarios. Tolles Buch!


Klappentext

Als Sara Hussein von einer Geschäftsreise nach Los Angeles zurückkehrt und den Flughafen verlassen will, wird sie von einem Angestellten des Amts für Risikobewertung aufgehalten: Ihr Risikowert sei zu hoch, denn die Analyse ihrer Traumdaten habe ergeben, dass sie zur Gefährdung für ihren Ehemann werden könnte. Zu seiner Sicherheit muss sie sich für einundzwanzig Tage unter Beobachtung begeben. Während ihr Mann ahnungslos mit den zweijährigen Zwillingen auf ihre Rückkehr wartet, wird Sara in Gewahrsam genommen. Zunächst versucht sie genau wie die anderen inhaftierten Frauen, ihre Unschuld zu beweisen. Doch als immer neue Gründe auftauchen, weshalb sich ihre Haft verlängert, beginnt Sara zu ahnen, dass sie auf eigene Faust für ihre Freiheit einstehen muss.


Über die Autorin

Laila Lalami wurde in Rabat geboren und hat in Marokko, Großbritannien und den Vereinigten Staaten studiert. Sie ist Autorin von vier Romanen und zahlreichen Essays, die u. a. in der Washington Post, The Nation und der New York Times erschienen sind. Ihre Bücher wurden in zwanzig Sprachen übersetzt. Bei Kein & Aber erschienen ihre Romane Die Anderen, der auf der Shortlist des National Book Award stand, sowie Der verbotene Bericht, mit dem sie den American Book Award erhielt und Finalistin des Pulitzer Prize wurde. Laila Lalami ist Professorin für Kreatives Schreiben an der University of California, Riverside. Sie lebt in Los Angeles.