Spannende Dystopie

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bobbember Avatar

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Das Dream Hotel hat mich als Fan dystopischer Romane wirklich überzeugt. Die Grundidee ist beklemmend und erschreckend nah an einer möglichen Zukunft: Eine Gesellschaft, in der selbst Träume überwacht, analysiert und zur Grundlage staatlicher Entscheidungen gemacht werden.

Sara Hussein ist eine düstere, vielschichtige und zugleich faszinierende Protagonistin. Nach ihrer Rückkehr von einer Dienstreise wird sie am Flughafen gestoppt – nicht wegen einer Tat, sondern wegen eines Risikowerts, der aus ihren Träumen berechnet wurde. Angeblich stellt sie eine potenzielle Gefahr für ihren Ehemann dar. Um ihn zu schützen, soll sie sich für 21 Tage in staatliche Beobachtung begeben. Während ihr Mann nichtsahnend mit den kleinen Zwillingen auf sie wartet, verliert Sara schlagartig ihre Freiheit.

Besonders eindrücklich fand ich, wie hilflos und surreal die Situation zunächst wirkt. Wie die anderen inhaftierten Frauen versucht Sara anfangs, ihre Unschuld zu beweisen – doch schnell wird klar, dass Logik und Wahrheit in diesem System kaum eine Rolle spielen. Mit jeder neuen Begründung für die Verlängerung ihrer Haft wächst die beklemmende Erkenntnis, dass sie selbst aktiv werden muss, wenn sie jemals wieder frei sein will.

Der Roman ist spannend, atmosphärisch dicht und wirft viele wichtige Fragen zu Überwachung, Selbstbestimmung und Schuld auf. Einen Stern ziehe ich nur ab, weil sich manche Passagen etwas gezogen haben. Insgesamt aber ein richtig guter dystopischer Roman, der noch lange nachwirkt.