Ein Geheimtipp für Thriller-Fans

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bobo_hamburg Avatar

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Die Story fängt direkt megaspannend an: Eine junge Studentin strandet mitten in einem heftigen, verfrühten Schneesturm an einem einsamen Bahnhof an der norddeutschen Küste. Eigentlich wollte sie nur in das alte Ferienhaus ihrer Kindheit in Geelekow flüchten, um zur Ruhe zu kommen, doch jetzt steht sie ohne funktionierenden Bus und mit fast leerem Handyakku mitten in der eisigen Dunkelheit. Die Geschichte ist ein atmosphärischer Thriller und wegen der düsteren Stimmung und der blutigen Andeutungen im Prolog meiner Meinung nach perfekt für Jugendliche ab 16 Jahren und natürlich für erwachsene Thriller-Fans geeignet.

Bevor ich zum Inhalt komme, muss ich kurz über das Cover sprechen, denn das sieht einfach richtig stark aus. Das tiefe Schwarz im Hintergrund, die aufpeitschenden, wilden Wellen, die gegen das alte, reetgedeckte Haus mit den einsam gelb erleuchteten Fenstern klatschen, und dann der gelbe Schriftzug des Autorennamens oben – das ist ein echter Blickfang. Es fängt diese stürmische Küstenatmosphäre perfekt ein und würde mir im Buchladen sofort ins Auge springen.

Was mir besonders gut gefallen hat, ist der krasse Kontrast direkt am Anfang. Erst dieser ultra-spannende Prolog, in dem sich eine verletzte Person voller Panik in einem Schrank vor einem Verfolger versteckt und etwas in einem Geheimfach deponiert, und direkt danach diese wunderschönen, fast schon nostalgischen Kindheitserinnerungen der Protagonistin an glückliche Sommer an der Nordsee. Das sorgt sofort für eine Gänsehaut, weil man als Leser spürt, dass an diesem scheinbaren Traumort später etwas Schreckliches passiert sein muss. Auch die einsame Kulisse am verlassenen Bahnhof und der anschließende Marsch durch den finsteren Wald haben eine unglaublich dichte Atmosphäre.

Wenn ich etwas kritisieren müsste, dann ist es vielleicht ein kleiner Logik-Klassiker, der mich bei Thrillern manchmal ein ganz kleines bisschen stört. Unsere Protagonistin reist stundenlang mit der Bahn durch das halbe Land und hat am Ende nur noch sieben und dann zwei Prozent Akku, ohne eine Powerbank dabeizuhaben. Klar, sie war in Eile und wollte einfach nur schnell weg aus Berlin, aber in Zeiten von Smartphones wirkt das manchmal wie der typische Horror-Trick, um künstlich Stress zu erzeugen. Trotzdem verzeiht man ihr das schnell, weil die Situation dadurch eben auch extrem intensiv und bedrohlich wird.

Der Schreibstil von Carolin Frey ist wirklich flüssig und zieht einen sofort mitten ins Geschehen. Dadurch, dass die Geschichte aus der Ich-Perspektive erzählt wird, fühlt man jede Kälteböe und jeden Panikmoment direkt mit. Der Spannungsaufbau ist absolut genial gelöst. Die Bedrohung schleicht sich langsam an, angefangen bei der unheimlichen Begegnung mit der älteren Frau am Bahnhof über das schwindende Handylink bis hin zu den knackenden Geräuschen im nächtlichen Wald. Die Protagonistin wirkt auf mich extrem authentisch, ein bisschen geheimnisvoll mit ihren Tattoos auf den Fingern, aber auch verletzlich. Man spürt sofort, dass sie eine dunkle Vergangenheit mit sich herumschleppt, die sie nun einholen will.

Dieses Buch ist perfekt für alle, die psychologische Thriller mit einer dichten, fast schon klaustrophobischen Stimmung lieben. Wer Geschichten mag, die an einsamen Küstenorten spielen, wo das Wetter selbst zu einer Bedrohung wird, und wer Lust auf ein packendes Rätsel voller dunkler Familiengeheimnisse hat, wird hier voll auf seine Kosten kommen.

Mein Fazit nach diesen ersten Seiten ist ganz klar: Ich will unbedingt wissen, wie es weitergeht. Wer sitzt in dem weißen Kastenwagen, der da im Dunkeln hält? Was hat es mit der geheimnisvollen Krähe auf sich und was genau ist damals im Krähenzimmer passiert? Die Leseprobe hat mich absolut gecatcht und ich würde das Buch definitiv sofort weiterlesen, wenn ich es in die Finger bekomme. Ich erwarte hier ein richtig cleveres Verwirrspiel mit einer Menge Gänsehaut-Momenten.