Schnee und Gänsehaut

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kerstin600 Avatar

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Es gibt Bücher, die schleichen sich langsam an. Und dann gibt es welche, die einem schon auf den ersten Seiten unangenehm nah auf die Pelle rücken. Das Krähenzimmer gehört eindeutig zur zweiten Sorte.

Der Prolog macht keine Gefangenen. Man landet mitten in einer Situation, in der einem selbst fast die Luft wegbleibt. Irgendwo zwischen Blut, Feuer und Panik wird ein Geheimnis versteckt – und genau da hatte mich das Buch schon am Haken.

Danach wird das Tempo etwas heruntergefahren, aber nur scheinbar. Lotta kommt nach Geelekow, einem Küstenort, der nach Ruhe aussehen soll, sich aber von der ersten Minute an irgendwie… schief anfühlt. Alles wirkt ein bisschen zu still, ein bisschen zu leer und ein bisschen zu freundlich. Genau diese Atmosphäre fand ich richtig stark. Man wartet förmlich darauf, dass gleich irgendetwas aus dem Augenwinkel auftaucht.

Lotta mochte ich sofort. Sie hat Humor, nimmt sich selbst nicht allzu ernst und haut zwischendurch Sprüche raus, die in der angespannten Stimmung genau richtig sitzen. Das lockert die Geschichte auf, ohne dass sie ihren düsteren Unterton verliert. Auch die Begegnung mit Bo fand ich gelungen. Man weiß die ganze Zeit nicht, ob man ihm die Hand schütteln oder lieber mit beiden Beinen aus dem Auto springen sollte. Dieses ständige Misstrauen macht richtig Spaß.

Besonders gefallen hat mir, dass die Spannung nicht durch möglichst viel Action entsteht. Stattdessen reichen ein leerer Bahnhof, ein Wald bei Nacht, eine Krähe oder ein Fenster, hinter dem vielleicht jemand steht. Da passiert gar nicht viel – und trotzdem fühlt sich jede Seite an, als würde sie einem zuflüstern: “Pass bloß auf.”

Das Cover

Das Cover gefällt mir richtig gut. Die dunklen Farben, die Krähen und die kühle Stimmung passen perfekt zur Geschichte. Es wirkt geheimnisvoll, ohne laut zu sein, und vermittelt genau dieses Gefühl, dass hinter jeder Tür etwas lauern könnte. Es macht neugierig und trifft die Atmosphäre der Leseprobe erstaunlich gut.

Mein Eindruck nach der Leseprobe: Ich hatte eigentlich vor, nur mal kurz reinzulesen. Tja… daraus wurde nichts. Ständig taucht eine neue Kleinigkeit auf, die einen weiterziehen lässt, bis man irgendwann merkt, dass man schon längst viel tiefer drinsteckt, als ursprünglich geplant. Genau so muss eine Leseprobe für mich funktionieren.