4.5 Sterne von mir - Das verfluchte Haus

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blackcat Avatar

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"Das Krähenzimmer" hat mich von Anfang an gepackt: Der nervenaufreibende, rätselhafte Prolog macht neugierig, und der eindringliche Erzählstil, die unheilvolle Atmosphäre, der trockene Humor sowie das winterliche Strand‑Setting entfalten sofort einen starken Sog.

Die Protagonistin ist eine sympathische Impro‑Chaos‑Queen und sehr interessant – eine Figur, deren Stärke und Verletzlichkeit man direkt spürt, über die man unbedingt mehr erfahren will. Die Andeutungen zu ihrer Vergangenheit hinterlassen viele Fragen: Wie ist ihr Leben zu einem Scherbenhaufen geworden? Was geschah mit ihrer biologischen Mutter? Und mit ihrer Stiefmutter? Warum hat sie kein gutes Verhältnis zu ihrem Vater? Wer hat es warum auf Lotta abgesehen?

Die junge Berlinerin Lotta ist frisch getrennt, arbeits‑ und wohnungslos, weshalb sie heimlich in das Ferienhaus ihrer Ex‑Stiefmutter zieht, in dem sie als Kind viele glückliche Sommer verbracht hat. Doch im Winter wirkt ihre Zuflucht in einem Dorf an der Ostsee trostlos. Außerdem geht es dort nicht so ruhig und friedlich zu, wie erhofft: Lotta findet schnell Anschluss und lässt sich in aufreibende Aktivitäten verwickeln. Die meisten Einheimischen begegnen ihr mit unverhohlener Ablehnung, und die verhängnisvolle Vergangenheit des Hauses scheint sie regelrecht heimzusuchen: Unerklärliche, unheimliche Vorfälle häufen sich, Lotta fühlt sich beobachtet und bedroht, und selbst die Leute, mit denen sie sich angefreundet hat, verhalten sich merkwürdig, wenn sie Fragen stellt.

Tagebucheinträge einer Frau, die das Ferienhaus im Winter zuvor gemietet hat, und eine mysteriöse Erzählstimme zeigen, dass die Schatten der Vergangenheit lebensgefährlich sind.

"Das Krähenzimmer" hat mich fast restlos begeistert! Der ausdrucksstarke Erzählstil voller lebendiger Eindrücke, die großartig gezeichnete Lotta, die Dynamik zwischen ihr und den Einheimischen, die gruseligen Begebenheiten sowie der Spannungsaufbau sind absolut fesselnd. Die Symbolik rund um Krähen empfand ich als etwas überstrapaziert und auch unnötig, denn das Schaurig-Schöne kommt auf vielfältige Weise ohnehin schon wirkungsvoll zum Tragen. Und ich fand zwar, dass Lotta sich manchmal unvorsichtig verhält, nachdem ihr schon viel Schlimmes zugestoßen ist, wodurch das eine oder andere Handlungselement mMn ein bisschen konstruiert wirkt – aber das ist Jammern auf hohem Niveau. Was für ein Erstlingswerk!!!