böse sind nicht die Krähen
Der Thriller beginnt ohne langen Einstieg gleich direkt mit Lottas momentanen Lebenslage und lässt stimmungsmäßig ihre Ängste und Verzweiflung aus der angespannten Situation spüren. Der Schreibstil ist frisch und jung, passend zu Lottas Alter und die Grundstimmung ist durchwegs unheilvoll und angespannt. Mir gefällt die düstere Atmosphäre sehr gut, man hat als Leser*in durchwegs das Gefühl, dass jeden Moment etwas passieren könnte oder eine Gefahr lauert. Schon bei Lottas Anreise in die Villa Sturmmöwe, wo sie glückliche Tage ihrer Kindheit verbracht hat, geht alles schief und sie steht alleine, ohne Handyakku bei eisiger Kälte auf einem kleinen Bahnhof. Solche und ähnliche Szenen dominieren die Erzählweise, sodass es fast durchgehend spannend bleibt. Im Mittelteil werden die eine oder andere Situation etwas überzogen dargestellt, sodass Lotta ziemlich häufig in Ohnmacht fällt oder andauernde Schlafphasen hat, das war mir dann etwas too much, vor allem da sich gleichzeitig auch inhaltlich die Geschichte im Mittelteil ein wenig im Kreis dreht und erst danach wieder volle Fahrt aufnimmt und mit einem großen Showdown am Schluss endet. Die Beziehungsgeschichte zwischen Lotta und Quentin fällt etwas kurz aus, sie wird mit unpersönlichen E-Mails abgehandelt. Hier hätte ich mir mehr Gefühle gewünscht, vor allem, da dies auch der Hauptgrund dafür war, dass Lotta ihre Auszeit in der Villa nimmt. Die Tagebucheinträge und die Beschreibungen mit den Regeln finde ich wiederum eine spannende Ergänzung, vor allem, weil man auch bis zum Schluss nicht weiß, wer das Tagebuch verfasst hat. Hier kann man selbst miträtseln und das Kopfkino spielen lassen, zumindest war es bei mir der Fall. Die Ablehnung durch die Dorfgemeinschaft und die angespannte Stimmung, wenn Lotta erwähnt, dass sie in der Villa Sturmmöwe einquartiert ist, finde ich gruselig, aber sehr gelungen. Die freudige Aufnahme in den Freundeskreis von Nele, Justus, Bo und Friedrich wiederum habe ich zwiegespalten empfunden. Auf der einen Seite schön, dass Lotta so schnell Anschluss findet, auf der anderen Seite wirkt es künstlich auf mich und Lotta öffnet sich Fremden gegenüber sehr schnell, was nicht zu ihrem Charakter passt, wie sie zu Beginn beschrieben wird. Auch die Zufälle, dass sie sogleich in der Immobilien-Vermittlungsagentur von Justus Familie mitarbeiten kann und ebenfalls bei der Kunstausstellung ihre Werke ausstellen darf, waren viele Zufälle. Gefallen hat mir, dass sich Lotta durch die Drohungen nicht kleinkriegen lässt, sondern erst recht mit ihrer Recherche über die Villa beginnt und in Zeitungsarchiven und historischen Werken recherchiert. Mutig, vor allem, da sie sich dadurch noch mehr in Gefahr begibt und auch Freund*innen, die sie bei ihrem Vorhaben unterstützen, gefährdet. Am gelungensten finde ich am Debütthriller allerdings die Atmosphäre, sodass ich gerne noch weitere Thriller von der Autorin lesen möchte.