Ein atmosphärischer Thriller mit verschenkt gutem Finale

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"Das Krähenzimmer" von Carolin Frey ist ein Debüt-Thriller, der vor allem mit seiner Atmosphäre arbeitet. Die rund 14 Stunden und 12 Minuten lange Hörbuchfassung wird von Anne Düe und Tim Gössler gesprochen.

Zur Story

Lotta kehrt an einen Ort zurück, den sie aus ihrer Kindheit kennt und der eigentlich ihr sicherer Rückzugsort sein sollte. Doch das vertraute Reetdachhaus hinter den Dünen fühlt sich plötzlich vollkommen anders an. Sie hat das Gefühl, beobachtet zu werden, die Menschen im Ort verhalten sich merkwürdig und je mehr Fragen sie stellt, desto deutlicher wird, dass dieses Haus eine Vergangenheit hat, die besser verborgen geblieben wäre. Ein Tagebuch und die Geschichte einer jungen Frau, die vor Lotta in dem Haus lebte und dort starb, führen sie immer tiefer in die Vergangenheit.

Meine Meinung

Was mir wirklich besonders gut gefallen hat, war die Atmosphäre. Das Haus, die Dünen, die Krähen und der scheinbar verlassene Ort bilden eine richtig schöne düstere Kulisse. Gleichzeitig schafft es die Geschichte lange, die Spannung aufrechtzuerhalten. Für mich konnte theoretisch tatsächlich fast jede Person als Täter:in infrage kommen und genau dieses Misstrauen hat das Hören für mich sehr spannend gemacht. Sehr interessant fand ich außerdem die Verbindung zur Kunst. Sie ist nicht einfach nur schmückendes Element, sondern bekommt innerhalb der Geschichte eine eigene Bedeutung. Auch die kontinuierliche Erzählperspektive aus der Ich-Perspektive mochte ich sehr. Gerade bei einem Thriller, der mit der Frage spielt, ob tatsächlich jemand hinter Lotta her ist oder ob sie ihrer eigenen Wahrnehmung nicht mehr trauen kann, funktioniert diese Perspektive ausgesprochen gut.

Ganz überzeugen konnte mich die Geschichte trotzdem nicht. Einige Details und Entwicklungen erschienen mir nicht vollständig schlüssig. Am stärksten gestört hat mich allerdings das Ende. Nach dem langen Spannungsaufbau hatte ich mir vom Showdown deutlich mehr erwartet. Stattdessen ging für mich alles plötzlich sehr schnell und fühlte sich dadurch erstaunlich wenig befriedigend an. Gerade weil die Geschichte zuvor so viel Zeit darauf verwendet, Verdächtige, Hinweise und verschiedene Geheimnisse aufzubauen, hätte das Finale für mich mehr Raum gebraucht. So hatte ich am Ende eher das Gefühl: War's das jetzt schon?

Auch insgesamt hätte "Das Krähenzimmer" meiner Meinung nach etwas gestrafft werden können. Manche Passagen hätten sich kürzen lassen, ohne dass dabei Atmosphäre oder Spannung verloren gegangen wären. Mit etwas weniger Umfang hätte der Thriller für mich wahrscheinlich sogar noch besser funktioniert.

Als Hörbuch hat mir die Geschichte trotzdem gut gefallen. Die beiden Sprecher:innen tragen die düstere Atmosphäre gut und die eigentliche Stärke des Hörbuchs liegt für mich mehr in der Geschichte und ihrem Setting, weniger in einer außergewöhnlichen Inszenierung.

Fazit

Unterm Strich ist "Das Krähenzimme"r für mich ein atmosphärischer und über weite Strecken wirklich spannender Thriller, bei dem allerdings gerade die Auflösung hinter den Erwartungen zurückbleibt. Ich mochte das Setting, die Kunstebene und das ständige Rätselraten; hätte mir aber ein schlüssigeres und ausführlicheres Finale gewünscht. Ein „kann man machen“-Hörbuch: spannend genug, um dranzubleiben, aber für mich kein Thriller, den man unbedingt gehört haben muss.