Gutes Thriller Debüt

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Das Krähenzimmer von Carolin Frey / Rezension

„So lange, bis ich die Scherben meines Daseins wieder zusammengesetzt habe, soll die Villa Sturmmöwe meine Zuflucht sein.“

„Man munkelt, dass jeder Tote Geelekows als Krähe in diesem Garten neu geboren wird.“

„Es sind unheimliche Dinge geschehen, vom ersten Tag an. Ich kenne mich, ich bin ein rationaler Mensch. Aber die Vorfälle waren mit nichts zu erklären.“

Hier handelt es sich um das Debüt der Autorin und aus diesem Grund bewerte ich gern etwas wohlwollender, werde aber nach einem kurzen Umriss des Inhalts, meine ehrlichen Gefühle mit Euch teilen.

Inhalt in meinen Worten:

Lotta kommt nach Geelenkow, einen Ort ihrer Kindheit, weil sie sich hier zuletzt sicher und glücklich gefühlt hat. Durch einen Zufall kann sie sogar wieder in der Villa Sturmmöwe wohnen. Sie bezieht das „Krähenzimmer“ und das Grauen beginnt schleichend. Noch weiß Lotta nicht, dass in eben diesem Zimmer eine andere junge Frau gestorben ist…

Der Anfang hat mir gefallen, wir treffen Lotta bei ihrer Anreise aus Berlin. Die Autorin kreiert von Anfang an eine düstere Atmosphäre und kleinere, seltsame Zwischenfälle unterstützen diesen Eindruck.

Wir lesen übrigens aus drei Perspektiven, wobei nur eine Perspektive bekannt ist (Lotta). Es setzt sich Stück für Stück zusammen, wer die anderen Leute sind, was ich als Konzept gelungen fand.

Lotta findet schnell Anschluss im örtlichen Freundeskreis. Sie erfährt schlimme Wahrheiten über den Ort und versucht zu recherchieren. Es ist klar, dass jemand oder gar das ganze Dorf Lotta nicht da haben will. Ich selbst bin mit ihr als Protagonistin nicht so gut zurecht gekommen. Ich verstehe natürlich, dass sie an einem Tiefpunkt in ihrem Leben steht und sich deshalb teilweise seltsam verhält, aber es war teilweise schon echt schwer, ihre Art auszuhalten.

Der Schreibstil hat mir gefallen, er ist sehr dicht und beschreibend. Ich fühlte mich definitiv an den Ort des Geschehens versetzt. Der beschreibende Aspekt hat aber natürlich auch Nachteile.

Der Mittelteil hat sich für mich insgesamt leider gezogen. Es war interessant und ich fühlte mich schon stellenweise unterhalten, aber es ging gefühlt eher langsam voran und ich bevorzuge eine schnellere Handlung.

Aus mir unbekannten Gründen hat mir dieses Buch keine Angst gemacht, obwohl es absolut darauf ausgelegt ist. Keine Ahnung, warum ich mich aktuell überhaupt nicht mehr beim Lesen gruseln kann.

Aber Achtung: Das empfindet jeder anders und wie gesagt, objektiv betrachtet, haben wir hier Alptraumstoff.

Ich denke mal, Teil meines Problems mit Thrillern ist, dass mein Kopf direkt alle Möglichkeiten durchgeht, warum etwas passieren kann. Ich bediene mich an vielen mir schon bekannten Plottwists und eine von zwei Möglichkeiten war’s dann auch diesmal. Aber das muss Euch ja nicht so gehen. Ich selbst will auch nicht so sein, aber wenn ich in keinen Flow - Zustand beim Lesen komme, dann ist mein Kopf permanent am rattern und grübeln. Und ein Flow-Zustand ist keine Selbstverständlichkeit und das erwarte ich weder von einem Debüt noch, dass es ständig passiert.

Echte Spannung kam für mich erst nach 300 Seiten auf. Einige meiner Überlegungen wurden bestätigt und endlich wurde es schnell, kribbelig und schrecklich. Mein Hals wurde eng und ich spürte die Verzweiflung, Angst und Hoffnungslosigkeit der betreffenden Personen.

Dieser Teil der Geschichte hat einiges rausholen können. Verschiedenste Emotionen durchfluteten mich. Der Plot ist für mich eine 10/10 und die Auflösung ebenfalls. Der Mittelteil und Lotta als Person waren für mich etwas schwierig. Ich möchte Carolin Frey bei ihrem Debüt als neue weibliche und lokale Thrillerstimme unbedingt unterstützen und runde insgesamt auf

4⭐️⭐️⭐️⭐️ auf.

Macht Euch bitte ein eigenes Bild!

Ich bedanke mich bei der Autorin und ihrem Team für die tolle Geschichte!