Verloren in Geelekow

Voller Stern Voller Stern Voller Stern Leerer Stern Leerer Stern
kahabooks Avatar

Von

In Das Krähenzimmer begleiten wir Lotta bei ihrem Versuch, in Geelekow einen Neuanfang zu wagen. Treibende Kraft ist zu Beginn ihre nostalgische Kindheitserinnerung an diesen Ort und insbesondere an das Haus. Und doch war mir Lotta von Anfang an ein Rätsel. Ihr Aufbruch aus Berlin wirkte absolut überstürzt und wenig durchdacht, schon fast wie eine Flucht. Sie hatte dabei mehr Glück als Verstand, dass sie doch noch heil in Geelekow angekommen ist und ihr jemand geholfen hat.

Zudem schien sie mir, dieses Haus stark zu idealisieren. Sie war dort nur in Kindertagen, und die Umstände waren damals völlig andere. Und doch war sie als junge erwachsene Frau überzeugt davon, dass sich nichts verändert hat und sie die gleiche Geborgenheit und Sicherheit wie früher finden würde. Selbst als sie einsehen musste, dass sich diese Erwartung nicht erfüllte, hielt sie stur an ihrem Plan fest. Doch was war eigentlich nochmal ihr Plan? Dieser Handlungsfaden verlor sich im zunehmenden Verlauf und wurde nicht mehr weiterverfolgt.

Obwohl mir Lotta weder sympathisch noch unsympathisch war, wirkten ihre Entscheidungen auf mich leider unlogisch, überstürzt und für ihr Alter erstaunlich naiv. Nicht selten hatte ich das Gefühl, dass die Handlung auf konstruiert wirkenden Fehlentscheidungen von Lotta basiert, um die Geschichte am Laufen zu halten. Aber leider habe ich dadurch keinen Bezug zu ihr herstellen können, und sie blieb mir fremd.

Auch mit der Atmosphäre hatte ich Probleme. Ich habe von gestohlener Kleidung, plötzlich offenen Türen oder mysteriösen Geräuschen gelesen und es war klar, dass hier jemand Lotta einschüchtern will. Und trotzdem wollte bei mir kein beklemmendes Gefühl aufkommen. Die Autorin beschreibt die Ereignisse zwar, schafft es für mich jedoch nicht, die daraus entstehende Bedrohung spürbar zu machen.

Keineswegs möchte ich das Buch zu stark kritisieren, denn es ließ sich durchweg flüssig lesen. Die Nebenfiguren und die Dorfgemeinschaft habe ich als stimmig empfunden. Dass ältere Einwohner einer auffälligen Fremden zunächst mit Zurückhaltung begegnen, erschien mir ebenso glaubwürdig wie die Offenheit der jüngeren Dorfbewohner. So wirkte die Dorfgemeinschaft auf mich insgesamt authentischer als die eigentliche Hauptfigur.

Am Ende bleibt es für mich ein solides, gut lesbares Buch mit einer interessanten Grundidee und einigen offenen Rätseln. Leider war es weder spannend noch mysteriös, sondern maximal würde ich es als rätselhaft bezeichnen. Die unlogischen Entscheidungen von Lotta und die für mich nicht greifbare Atmosphäre verhinderten, dass mich die Geschichte wirklich mitreißen konnte.