Das Lied des Wolfes

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Ich habe mich sehr auf „Das Lied des Wolfes“ von Anthony Ryan gefreut und war gespannt, was auf mich zukommen mag. Leider lässt mich gespalten zurück. Auf der einen Seite fand ich es unheimlich gut, wie verschiedene Szenen beschrieben worden sind, sodass Bilder vor meinem inneren Auge auftauchten. Ich war mitten im Geschehen gefangen. Der Schreibstil des Autoren ist unheimlich kraftvoll und sprachgewaltig. Alles wird detailgetreu beschrieben, selbst die brutalen Szenen lassen einen leicht erschaudern, weil man sie nachempfinden und sich jeden Angriff auf irgendwelche Krieger genaustens vorstellen kann. Das fand ich wirklich gelungen und trotzdem war es nicht mein Buch. Das möchte ich erklären.

Das Buch ist 557 Seiten lang und von Seite zu Seite wird, wie oben geschrieben, alles genaustens erklärt, beschrieben und so weiter. Die Orte, die verschiedenen Protagonisten, die Geschichte von Vaelin Al Sorna und Kehlbrandt. Das muss ein Fantasybuch auch mitbringen, vor allem dann, wenn man die drei vorigen Bände der Rabenschatten-Trilogie nicht gelesen hat. Es tut somit auch nicht unbedingt Not, da vieles in Interaktionen aufgeklärt wird und man so einen Einblick in die vorigen Bände bekommt. Ich habe die Rabenschatten-Trilogie nicht gelesen und fand mich gut zurecht. Dennoch war mir das alles ein bisschen zu viel des Guten. Theoretisch hätten es weniger Seiten auch getan, da für mich vieles einfach zu lange „ausgeführt“ wurde. Wo einer vielleicht sagt: »Das ist doch aber gar nicht schlecht!«, sage ich: »Es war zu viel des Guten, da es die Geschichte unnötig in die Länge gezogen hat und es dadurch recht zäh wurde.« Nachdem die Kämpfe vorbei waren und irgendwie auch nicht (?), kam immer wieder etwas auf, was erneut Öl ins Feuer gegossen hatte. (Schon wieder?) Gut, man könnte meinen, dass es eine Trilogie wird und man immer wieder an neue Szenen anknüpfen sollte, aber für mein Empfinden war das zu viel, da es irgendwie immer und immer wieder „von vorne losging“ und kein rundes Ende für sich fand. Ist der Kampf jetzt durch oder immer noch nicht? Was kommt denn jetzt noch? Diese Fragen habe ich mir gestellt.

Dasselbe empfand ich bei den Protagonisten, wie zum Beispiel die Jadeprinzessin oder Vaelin. Sie waren für mich nicht greifbar. Gut, sie wurden beschrieben. Ihre Stärken und Schwächen aufgezeigt, dennoch fand ich absolut keinen Draht zu ihnen. Normalerweise gehe ich mit den Protagonisten „in touch“, kann mich in sie hineinfühlen, mit ihnen mitfühlen und mit ihnen leiden. Leider konnte ich das hier ganz und gar nicht. Vaelin wurde verletzt. Und? Selbst Kehlbrandt von der Stahlhast hat mich absolut kalt gelassen, wobei seine Geschichte eigentlich eine recht interessante ist. Eigentlich ein ganz cooler Kerl, aber sonst uninteressant, flach und platt. Ich glaube nicht, dass es daran lag, dass ich die Rabenschatten-Trilogie nicht gelesen habe. Viel mehr lag es daran, dass alles haarklein beschrieben wurde und ich mehr mit den Orten eins war, anstatt mit den Protagonisten. Auch das mit dem Lied, welches in Vaelin etwas ausgelöst hat. Zuerst wurde es nur angerissen und als die Szene kam, wo jemand das Lied singt, war es langweilig. Ich hätte mir Zeilen dieses Liedes gewünscht, damit ich die Gefühle von Vaelin hätte nachempfinden können. Warum fühlt er das gerade? Was sind die Zeilen dieses Songs? Einfach, um auch etwas dabei empfinden zu können, zu dürfen. Seine Empfindungen waren da, haben mich aber nicht erreicht. Zum Ende hin, war es einfach zu viel des Guten, weshalb ich die Trilogie nicht weiterlesen werde, auch wenn ich es mir anders gewünscht hätte. Das war aber leider ein Satz mit X.