Die Welt neu sehen
Wer gerne durch Naturkundemuseen streift und sich fragt, wie es dieses Skelett oder jenes Präparat sorgfältig aufgearbeitet in die Vitrine geschafft hat, welchen Weg es hinter sich gebracht oder welche Geschichte es zu erzählen hat, wird dieses Buch lieben.
Ein solches Exponat, das Skelett der Stellerschen Seekuh, verbindet die Protagonisten der 200 Jahre umspannenden Handlung, von Kamtschatka über Alaska bis ins Helsinki der 50er Jahre.
Die dort beheimatete Autorin Iida Turpeinen hat mit „Das Wesen des Lebens“ einen intensiven, sorgsam recherchierten Roman vorgelegt, der bildet, unterhält und aufwühlt.
Im ersten Teil, der in einem eher berichtenden, wissenschaftlich-distanzierten Stil abgefasst ist, steht der deutsche Arzt und Naturforscher Georg Wilhelm Steller im Mittelpunkt. Er hat es auf abenteuerlichen Wegen bis nach Russland gebracht und wird Teil von Kapitän Vitus Berings Zweiter Kamtschatka-Expedition. Hier, wo das menschengemachte Artensterben seinen Anfang nimmt,m geht es vor allem um die großen ethischen Fragen: ein unstillbarer Wissensdurst und Entdeckerdrang versus brutaler Zerstörung von Lebensräumen und der „Objekte“ des Interesses.
Als Berings Truppe auf einer Insel strandet, werden dort unbekannte, für nordische Gewässer überraschend große Manatis gesichtet. Steller erkennt den wissenschaftlichen Wert der massigen Tiere, doch er muss -wie der Lesende auch- ohnmächtig zusehen, wie die Mannschaft die sanften und wohlschmeckenden Riesen dahinmetzelt. Nach unsäglichen Strapazen verlässt Steller die Insel schließlich nur mit seinen Notizen und Zeichnungen, um der Welt von diesem Wesen zu berichten, das seinen Namen tragen, aber innerhalb weniger Jahre ausgerottet sein wird.
Das einzig erhaltene Skelett der Stellerschen Seekuh beflügelt die im 19. Jahrhundert verbreitete Sammelleidenschaft für „Exotisches“ und geht als Prestigeobjekt durch verschiedene Hände, bis es schließlich Mitte des vergangenen Jahrhunderts seinen Platz im Naturkundemuseum von Helsinki findet.
Damit verbunden lernen wir die restaurierenden Wissenschaftler und Künstler, fördernde Politiker und vor allem ihre interessanten und engagierten Frauen und Assistentinnen kennen, denen Iida Turpeinen hier gebührenden Respekt zollt. Ihre Geschichten auch des Liebens und Leidens, des Erkennens und Zweifelns, sind spannend und sprachlich geschmeidiger, mit mehr Sympathie für die handelnden Figuren erzählt.
Was die großen Themen angeht, entwirft Iida Turpeinen keine fiktiven Szenarien. Die brutale Ausbeutung ressourcenreicher Lebensräume durch eigens gegründete Handelskompanien, die ungeheuerliche Herablassung, mit der Kolonisten den abseits gelegenen Zivilisationen ihre Vorstellung von Kultur aufzwingen, das Abschlachten gewinnbringender Tiere, alles ist bis aufs letzte Robbenfell belegt. Als Lesende bewegt man sich durch ein Wechselbad der Gefühle, von Abscheu und Wut über Resignation angesichts all des Verlorenen hin zu Hoffnung und - was die Autorin am intensivsten weckt- einer unglaublichen Freude angesichts der Schönheit unserer Welt und des Lebens und dem Wunsch, ganz genau hinzusehen.
Ein solches Exponat, das Skelett der Stellerschen Seekuh, verbindet die Protagonisten der 200 Jahre umspannenden Handlung, von Kamtschatka über Alaska bis ins Helsinki der 50er Jahre.
Die dort beheimatete Autorin Iida Turpeinen hat mit „Das Wesen des Lebens“ einen intensiven, sorgsam recherchierten Roman vorgelegt, der bildet, unterhält und aufwühlt.
Im ersten Teil, der in einem eher berichtenden, wissenschaftlich-distanzierten Stil abgefasst ist, steht der deutsche Arzt und Naturforscher Georg Wilhelm Steller im Mittelpunkt. Er hat es auf abenteuerlichen Wegen bis nach Russland gebracht und wird Teil von Kapitän Vitus Berings Zweiter Kamtschatka-Expedition. Hier, wo das menschengemachte Artensterben seinen Anfang nimmt,m geht es vor allem um die großen ethischen Fragen: ein unstillbarer Wissensdurst und Entdeckerdrang versus brutaler Zerstörung von Lebensräumen und der „Objekte“ des Interesses.
Als Berings Truppe auf einer Insel strandet, werden dort unbekannte, für nordische Gewässer überraschend große Manatis gesichtet. Steller erkennt den wissenschaftlichen Wert der massigen Tiere, doch er muss -wie der Lesende auch- ohnmächtig zusehen, wie die Mannschaft die sanften und wohlschmeckenden Riesen dahinmetzelt. Nach unsäglichen Strapazen verlässt Steller die Insel schließlich nur mit seinen Notizen und Zeichnungen, um der Welt von diesem Wesen zu berichten, das seinen Namen tragen, aber innerhalb weniger Jahre ausgerottet sein wird.
Das einzig erhaltene Skelett der Stellerschen Seekuh beflügelt die im 19. Jahrhundert verbreitete Sammelleidenschaft für „Exotisches“ und geht als Prestigeobjekt durch verschiedene Hände, bis es schließlich Mitte des vergangenen Jahrhunderts seinen Platz im Naturkundemuseum von Helsinki findet.
Damit verbunden lernen wir die restaurierenden Wissenschaftler und Künstler, fördernde Politiker und vor allem ihre interessanten und engagierten Frauen und Assistentinnen kennen, denen Iida Turpeinen hier gebührenden Respekt zollt. Ihre Geschichten auch des Liebens und Leidens, des Erkennens und Zweifelns, sind spannend und sprachlich geschmeidiger, mit mehr Sympathie für die handelnden Figuren erzählt.
Was die großen Themen angeht, entwirft Iida Turpeinen keine fiktiven Szenarien. Die brutale Ausbeutung ressourcenreicher Lebensräume durch eigens gegründete Handelskompanien, die ungeheuerliche Herablassung, mit der Kolonisten den abseits gelegenen Zivilisationen ihre Vorstellung von Kultur aufzwingen, das Abschlachten gewinnbringender Tiere, alles ist bis aufs letzte Robbenfell belegt. Als Lesende bewegt man sich durch ein Wechselbad der Gefühle, von Abscheu und Wut über Resignation angesichts all des Verlorenen hin zu Hoffnung und - was die Autorin am intensivsten weckt- einer unglaublichen Freude angesichts der Schönheit unserer Welt und des Lebens und dem Wunsch, ganz genau hinzusehen.