Gänsehaut im schwedischen Unterholz
Schon der Prolog mit der kleinen, beinahe beiläufig erzählten Szene um das verletzte Eichhörnchen hat mich sofort in die Geschichte hineingezogen. Der Schreibstil ist unglaublich flüssig und angenehm zu lesen, transportiert aber gleichzeitig eine tief sitzende Melancholie und skandinavische Schwere, die perfekt zu dem Setting im Schweden der Neunzigerjahre passt. Mit dem Ermittler Björling wurde hier ein wahnsinnig interessanter Charakter eingeführt, der offensichtlich eine tiefe persönliche Tragödie mit sich herumschleppt, was sich besonders in den Momenten zeigt, in denen er meint, seine verstorbene Frau am Flussufer zu sehen und mit ihr spricht. Die Dynamik zwischen ihm und dem jungen, sichtlich überforderten Kollegen Håkansson bringt eine gute Balance in die Szenerie, während die Begegnung mit dem Heimbewohner Ove und dem leicht zwielichtigen Pfleger sofort neue Fragen aufwirft. Der Spannungsaufbau ist in dieser Leseprobe super, da der grausige Fund der zugerichteten, nackten Frauenleiche im Fluss nicht nur polizeiliche Routine auslöst, sondern durch Details wie den am Tatort gefundenen Ring und die nassen Hosenbeine des stummen Zeugen sofort die Ermittlungsarbeit anstachelt. Für die restliche Geschichte erwarte ich einen wendungsreichen, psychologisch tiefgründigen Kriminalfall, der tief in die Geheimnisse der ländlichen Gemeinschaft und vielleicht auch der psychiatrischen Anstalt eintaucht.