Ein stiller Beobachter in einer dunklen Zeit

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ju_li Avatar

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Kurz und prägnant ist der Titel dieses Buches, und doch passt er so perfekt zu dieser Geschichte. Wir begleiten Hermann bei seinem Blick in die Vergangenheit und erleben dabei, wie sich seine Freundesgruppe während der Zeit des Nationalsozialismus entwickelt. Dabei sind nicht nur wir Lesenden, sondern auch Hermann selbst in gewisser Weise die Betrachter dieser Geschehnisse.

Hermann ist ein eher ruhiger Mann, der jedoch sehr viel wahrnimmt und hinterfragt und sich genau zur richtigen Zeit einbringt. Gerade seine zurückhaltende Art hat ihn für mich zu einem interessanten Protagonisten gemacht. Er drängt sich nicht in den Vordergrund und ist dennoch mitten im Geschehen.

Auch der Schreibstil trägt diese Entwicklung der Geschichte sehr passend mit. Während in den Jahren vor der Machtübernahme und dem Krieg noch die Freude überwiegt und auch die jugendliche Freiheit ihren Platz findet, wird die Stimmung mit der Zeit zunehmend bedrückender. Man spürt, wie sich die gesellschaftlichen Veränderungen immer stärker auf die Freundesgruppe und ihre einzelnen Mitglieder auswirken.

Beim Lesen fragt man sich unweigerlich, wie man selbst in der damaligen Zeit gehandelt hätte. Haben wir doch alle Menschen in unserem Umfeld, die aus irgendeinem Grund durch das Raster fallen könnten. Die Geschichte gibt darauf keine einfachen Antworten, zeigt aber eindrucksvoll, welche Auswirkungen eine solche Zeit auf Freundschaften, persönliche Entscheidungen und einzelne Schicksale haben kann.

Wird die Freundschaft den Krieg überstehen? Und welche Wege werden die einzelnen Mitglieder der Freundesgruppe einschlagen? Diese Fragen begleiten einen durch die Geschichte und machen neugierig darauf, wie sich die einzelnen Schicksale entwickeln.

Für mich war Der Betrachter eine eindrucksvolle und nachdenklich stimmende Lektüre, die ich sehr gerne gelesen habe, auch wenn sie alles andere als leichte Kost ist. Gerade durch seine Zurückhaltung war Hermann für mich ein sympathischer Protagonist, dessen Blick auf diese bewegende Zeit mich noch eine Weile beschäftigt hat.