Freundschaft und Verrat
Hermann lebte ein glückliches und bescheidenes Lebrn mit seiner Mutter und seinen Großeltern in Haarlem, in den Niederlanden. Bis die Großmutter starb und die Mutter von einer Straßenbahn überfahren wurde. Seine Tante Edmonda, Schwester seines Wiener Vaters Leopold, Armeeoffizier und Säufer, holte den zehnjährigen Hermann zu sich. Seitdem hieß er Manno und war ein einsames Kind, das unter den Launen und den Schikanierungen der Tante litt. Nur in den Sommerferien hatte er Spaß. Im Kindererholungsheim in Baden fand er Freunde. Max, Sohn eines Hauslehrers, Jude. Bertl, Sohn eines Fabrikanten. Béla, Jude, Adliger aus Ungarn und homosexuell. Lotte, das unschuldige blondgelockte österreichische Mädchen und Franzi, Jüdin und Sozialistin. Sie erlebten, unbesehen ihrer Standesunterschiede, über Jahre die besten Sommer ihres Lebens, bis das Erholungsheim geschlossen werden musste. Ende der 1920er ändert sich die politische Stimmung in Österreich und vor allem auch in Wien. Es wird darauf geschaut, wer mit wem in welchen Kreisen verkehrt und wer welche politische Strömung unterstützt. Die Kinderfreunde von einst treffen sich zufällig an der Universität wieder und finden zu ihrer innigen Freundschafft zurück, ungeachtet ihrer Religion oder Sexualität. Manno ist der ruhige Betrachter ihrer Freundschaft, aber auch ihr Kitt. Er ist Restaurator geworden, Béla Parfumeur. Sie verbringen harmonische Nachmittage im Café Hackl, unbeschwerte Sommer gemeinsam in Altausse, sammeln Narzissen für Bélas Parfumkompositionen und feiern Weihnachten auf dem Schloss mit Bélas Familie. Wie bei einem alten restaurierungsbedürftigen Gemälde tun sich Risse in ihrer Freundschaft auf. Wer ist hier in wen verliebt? Wer gönnt hier wem das Familienerbe? Wer gibt sich nur als Student aus? Wer ist homophob? Wer nationalsozialistisch?
Schließlich verschlimmern sich die Zustände in Wien, es kommt zu Straßenkämpfen und Razzien. Juden wird das Studieren verboten, Homosexuelle werden verfolgt, Bertl und Lotte sympathisieren mit der NSDAP. Es passiert das Unfassbare. Erpressung und ein Verrat, der das gesamte Freundschaftsgeflecht unwiederbringlich zerstört und späte Vergeltung hervorruft.
Meinung:
Dieser Roman lässt am Anfang noch an eine kindliche Freundschaftsgeschichte glauben, verdichtet sich immer mehr, verwebt sich mit den historischen Ereignissen und hat mich bei manchen Ereignissen fassungslos und mit Kloß im Hals zurück gelassen. Ich habe mit dem Ich-Erzähler Manno in allen Phasen seines Lebens mitgefühlt und sympathisiert. Und ganz nebenbei einiges über niederländische Kunst und das Restaurieren gelernt sowie über die menschlichen Abgründe.
"Der Betrachter" ist ein Buch, das an den eigenen Überzeugungen rüttelt. Wie weit wären wir bereit, für eine Freundschaft zu gehen und müssen wir in Freundschaften immer bedingungslos ehrlich sein? Wieviel Verluste können wir verkraften?
Eine große Leseempfehlung für einen großen Roman!
Schließlich verschlimmern sich die Zustände in Wien, es kommt zu Straßenkämpfen und Razzien. Juden wird das Studieren verboten, Homosexuelle werden verfolgt, Bertl und Lotte sympathisieren mit der NSDAP. Es passiert das Unfassbare. Erpressung und ein Verrat, der das gesamte Freundschaftsgeflecht unwiederbringlich zerstört und späte Vergeltung hervorruft.
Meinung:
Dieser Roman lässt am Anfang noch an eine kindliche Freundschaftsgeschichte glauben, verdichtet sich immer mehr, verwebt sich mit den historischen Ereignissen und hat mich bei manchen Ereignissen fassungslos und mit Kloß im Hals zurück gelassen. Ich habe mit dem Ich-Erzähler Manno in allen Phasen seines Lebens mitgefühlt und sympathisiert. Und ganz nebenbei einiges über niederländische Kunst und das Restaurieren gelernt sowie über die menschlichen Abgründe.
"Der Betrachter" ist ein Buch, das an den eigenen Überzeugungen rüttelt. Wie weit wären wir bereit, für eine Freundschaft zu gehen und müssen wir in Freundschaften immer bedingungslos ehrlich sein? Wieviel Verluste können wir verkraften?
Eine große Leseempfehlung für einen großen Roman!