Mehr Gesellschaftsroman als Thriller

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kurzundbuch Avatar

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Skandinavischer Thriller? Da bin ich eigentlich sofort dabei. Bei Der Clan – Die Straße musste ich meine Erwartungen allerdings ziemlich schnell korrigieren.
Pascal Engman erzählt von einem Stockholmer Vorort, in dem der Mansour-Clan immer mehr Einfluss gewinnt. Im Mittelpunkt stehen unter anderem Josef, der in schwierigen Verhältnissen aufwächst, und der Polizist Hjalmar, der gegen die kriminellen Strukturen ankämpft. Auch Antonia bekommt ihre eigene Geschichte, die sich schließlich mit den anderen Handlungssträngen verbindet.
Gerade Josef ist mir dabei besonders im Gedächtnis geblieben. Sein Lebensweg hat mich wirklich traurig gemacht, denn man spürt, wie viel in ihm steckt und gleichzeitig, wie schwer es für ihn ist, sich seinem Umfeld zu entziehen.
Überhaupt fand ich die Darstellung der Bandenkriminalität sehr gelungen. Engman zeigt, wie ein Clan über Jahre hinweg immer mächtiger wird und wie schwierig es für Menschen in diesem Umfeld ist, sich davon zu lösen. Dabei bleibt die Geschichte erfreulich differenziert und beschränkt sich nicht auf ein simples Gut gegen Böse.
Mein Problem: Für mich war das kein Thriller. Spannung gibt es durchaus, aber sie steht nicht im Mittelpunkt. Stattdessen erzählt Engman sehr ausführlich, mit vielen Figuren und Handlungssträngen, wie sich die Situation über einen längeren Zeitraum entwickelt. Das war mir stellenweise einfach zu viel. Einige Szenen wirkten auf mich wiederholend und gerade bei 576 Seiten haben sich dadurch deutliche Längen ergeben.
Dabei kann Engman wirklich schreiben. Sein Stil ist bildhaft und die Geschichte wirkt intensiv recherchiert. Nur hat sie mich leider nicht so gepackt, wie ich es von einem Thriller erwartet hätte.
Trotzdem werde ich Band zwei wahrscheinlich lesen. Denn dieses Buch legt sehr viel an – und vielleicht zeigt sich erst in der Fortsetzung, wohin die Geschichte eigentlich führen soll.