Eine Schwester ist ein Stück Kindheit, das für immer bleibt.
Glücklich begrüßen sich Anna März und Fenja Lorenzen im Listland zurück, um die weitere Recherchearbeit zu der seit langem verschwundenen kleinen Schwester der 85-jährigen Verlegerin voranzutreiben. Die letzte Begegnung liegt Jahrzehnte zurück. Damals machte die rebellische Martje deutlich, dass sie der Familie und insbesondere der vermeintlich bevorzugten Fenja den Rücken kehren und Abenteuer in der Welt erleben möchte. Ihre Zufallsbekanntschaft mit Hark, einem Nachfahren der Amrumer Strandpiraten, scheint sie diesem Wunsch näherzubringen. Martje hat ihr Herz an den rothaarigen Burschen verloren und schippert mit ihm unter Drogeneinfluss in eine Sturmnacht hinaus. Wird sie die feurige Affäre mit dem Leben bezahlen? Die Gewinnerin des Schreibstipendiums, Leevke Fedder, wohnt derweil ebenfalls im Gästehaus von Fenja, um die Romanfragmente von Marten Behlaus zu vervollständigen. Die junge Frau kämpft mit dunklen Dämonen und scheint ihre eigenen Ziele zu verfolgen.
Voller Vorfreude auf ein Wiedersehen mit den sympathischen Charakteren auf Sylt gelang es mir problemlos, an die Ereignisse anzuknüpfen, die ich vor zwölf Monaten gelesen habe. Wie gewohnt erfahren wir in den Kapiteln aus der Gegenwart viel über Annas Gefühlswelt und ihre schwierige Suche nach Anhaltspunkten für Martje. Die Zeitsprünge in die Vergangenheit bringen uns zu der besagten Vermissten, und wir werden Zeugen ihrer täglichen Schuldgefühle, ihrer inneren Zerrissenheit sowie ihres Wunsches nach Wahrheit und Geborgenheit.
Bei der Bewertung des ersten Teils der Dilogie habe ich einen Stern abgezogen, da mir die Handlung zu übereilt erzählt wurde und die Autorin dem Leser keine Verschnaufpausen gönnt. Dieser Kritikpunkt aus dem Vorgängerband ist in „Der Duft des Strandhafers“ nicht mehr aktuell. Zwar kommt zu keinem Zeitpunkt Langeweile auf, aber ich hatte den Eindruck, die Etappe in Martjes Leben viel intensiver genießen zu können. Die Puzzleteile werden regelmäßig und plausibel an die richtige Stelle eingefügt. Die logische Konsequenz daraus sind verdiente fünf Sterne für das Finale der Bücherfrauen.
Allerdings scheint Gabriella Engelmann in ihrem Roman einen zu hohen Anspruch auf gute Konservierung zu legen. Alle Protagonist*innen zeigen ihre Wertschätzung füreinander mit wohlwollenden Worten und einem durchweg harmonischen Unterton, und das durch die Zeitebenen hinweg. Dadurch wirken manche Unterhaltungen nicht echt, sondern eher stelzig und fast schon zu weichgespült. Die Autorin lässt uns zu wenig Spielraum für eigene Gedanken, und die Dialoge wirken, als wären sie mit einem Sicherheitsnetz gestützt, und sind schlichtweg zu verschachtelt.
„Kommst du eigentlich am Samstag mit auf die Anti-Vietnam-Demo, die am Sandwall startet und durch ganz Wyk führt, oder musst du arbeiten?“ (S 208)
Die Schauplätze der Bücherfrauen sind knapp 500 km und 5 Stunden Autofahrt von mir entfernt, aber dennoch fühlt es sich an, als wäre es nur ein Katzensprung – zumindest im Kopf. Wie gerne würde ich ebenfalls barfuß über die Strände von Amrum, Föhr und Sylt schlendern, ohne dabei Scharen von Touristen über den Weg zu laufen, und die Sonnenuntergänge in Purpur oder Orange bestaunen, bevor sie sich in den unheilvollen Tiefen des Seemannsgrabs auflösen, zusammen mit vielen anderen magischen Geheimnissen der Nordsee. Lasst uns Fenja und Martje als Vorbild nehmen und die eigenen (Familien-)Geheimnisse nicht so lange unausgesprochen im Nebel der Zeit umherwandeln.
Voller Vorfreude auf ein Wiedersehen mit den sympathischen Charakteren auf Sylt gelang es mir problemlos, an die Ereignisse anzuknüpfen, die ich vor zwölf Monaten gelesen habe. Wie gewohnt erfahren wir in den Kapiteln aus der Gegenwart viel über Annas Gefühlswelt und ihre schwierige Suche nach Anhaltspunkten für Martje. Die Zeitsprünge in die Vergangenheit bringen uns zu der besagten Vermissten, und wir werden Zeugen ihrer täglichen Schuldgefühle, ihrer inneren Zerrissenheit sowie ihres Wunsches nach Wahrheit und Geborgenheit.
Bei der Bewertung des ersten Teils der Dilogie habe ich einen Stern abgezogen, da mir die Handlung zu übereilt erzählt wurde und die Autorin dem Leser keine Verschnaufpausen gönnt. Dieser Kritikpunkt aus dem Vorgängerband ist in „Der Duft des Strandhafers“ nicht mehr aktuell. Zwar kommt zu keinem Zeitpunkt Langeweile auf, aber ich hatte den Eindruck, die Etappe in Martjes Leben viel intensiver genießen zu können. Die Puzzleteile werden regelmäßig und plausibel an die richtige Stelle eingefügt. Die logische Konsequenz daraus sind verdiente fünf Sterne für das Finale der Bücherfrauen.
Allerdings scheint Gabriella Engelmann in ihrem Roman einen zu hohen Anspruch auf gute Konservierung zu legen. Alle Protagonist*innen zeigen ihre Wertschätzung füreinander mit wohlwollenden Worten und einem durchweg harmonischen Unterton, und das durch die Zeitebenen hinweg. Dadurch wirken manche Unterhaltungen nicht echt, sondern eher stelzig und fast schon zu weichgespült. Die Autorin lässt uns zu wenig Spielraum für eigene Gedanken, und die Dialoge wirken, als wären sie mit einem Sicherheitsnetz gestützt, und sind schlichtweg zu verschachtelt.
„Kommst du eigentlich am Samstag mit auf die Anti-Vietnam-Demo, die am Sandwall startet und durch ganz Wyk führt, oder musst du arbeiten?“ (S 208)
Die Schauplätze der Bücherfrauen sind knapp 500 km und 5 Stunden Autofahrt von mir entfernt, aber dennoch fühlt es sich an, als wäre es nur ein Katzensprung – zumindest im Kopf. Wie gerne würde ich ebenfalls barfuß über die Strände von Amrum, Föhr und Sylt schlendern, ohne dabei Scharen von Touristen über den Weg zu laufen, und die Sonnenuntergänge in Purpur oder Orange bestaunen, bevor sie sich in den unheilvollen Tiefen des Seemannsgrabs auflösen, zusammen mit vielen anderen magischen Geheimnissen der Nordsee. Lasst uns Fenja und Martje als Vorbild nehmen und die eigenen (Familien-)Geheimnisse nicht so lange unausgesprochen im Nebel der Zeit umherwandeln.