Schwerer Schicksalsschlag

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dina2803 Avatar

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Die Leseprobe zu Der Einsiedler Sommer hat bei mir vor allem wegen ihrer stillen, melancholischen Atmosphäre Eindruck hinterlassen. Im Mittelpunkt steht zunächst Eva, die nach einer Totgeburt offenbar das Bedürfnis verspürt, ihrem bisherigen Leben zu entkommen. Besonders bewegend fand ich dabei, dass sie nicht den großen dramatischen Abschied sucht, sondern beinahe heimlich verschwindet und einen Job weit entfernt annimmt, ohne sich wirklich von Eirik zu verabschieden. Gerade diese Sprachlosigkeit wirkt sehr glaubwürdig. Der Roman scheint damit ein Gefühl aufzugreifen, das viele Menschen vermutlich kennen: den Wunsch, nach einem schweren Verlust einfach wegzugehen, alles hinter sich zu lassen und irgendwo allein zu sein, weil das gewohnte Leben plötzlich nicht mehr zu einem passt.

Die abgelegene Umgebung mitten im Wald verstärkt dieses Gefühl von Rückzug und innerer Leere zusätzlich. Gleichzeitig entsteht dort mit Olga sofort eine gewisse Spannung. Die Szene, in der Eva sie morgens beim Nacktbaden entdeckt, wirkt gleichzeitig irritierend, komisch und leicht unangenehm. Olga scheint zunächst eher abweisend und misstrauisch zu sein, wodurch man als Leser noch nicht genau weiß, wie man diese Figur einordnen soll. Auch Eva bleibt zunächst etwas auf Distanz. Gerade das finde ich aber interessant: Die Leseprobe scheint die Figuren nicht sofort sympathisch machen zu wollen, sondern deutet eher an, dass beide Frauen ihre Verletzungen, Eigenheiten und vielleicht auch ihre Widersprüche mitbringen. Deshalb bin ich besonders gespannt darauf, wie sich die Beziehung zwischen Eva und Olga entwickeln wird und ob sich im Verlauf des Romans ein tieferes Verständnis für beide Figuren aufbaut.

Sehr positiv überrascht hat mich außerdem die Sprache. Der Schreibstil wirkt leicht, ruhig und sehr flüssig, ohne dabei oberflächlich zu sein. Gerade weil das Thema emotional schwer ist, funktioniert diese unaufgeregte Sprache für mich besonders gut. Der Text liest sich angenehm und natürlich, zugleich schwingt aber ständig etwas Melancholisches und Ungesagtes mit. Dadurch entsteht eine stille Intensität, die mich beim Lesen neugierig gemacht hat. Insgesamt vermittelt die Leseprobe den Eindruck eines eher leisen Romans, der sich sensibel mit Trauer, Einsamkeit und dem Versuch beschäftigt, nach einem Verlust wieder einen Zugang zum eigenen Leben zu finden.