Überraschend
Melanie Raabes „Der längste Schlaf“ ist ein unglaublich dichtes und atmosphärisches Leseerlebnis. Es ist eines dieser Bücher, die man abends aufschlägt und wegen der subtilen Spannung kaum aus der Hand legen mag, ein Roman, der dem Leser entgegen seinem Titel die Nacht raubt. Das Mysterium um Mara erforscht in London beruflich den Schlaf, doch privat ist er ihr größter Feind. Seit ihrer Kindheit leidet sie unter schwerer Schlaflosigkeit aus einem düsteren Grund. In ihren Träumen sieht sie den Tod von Menschen voraus, unfähig, ihn zu verhindern. Als sie überraschend ein Herrenhaus im deutschen Limmerfeldt erbt, reist sie zurück in das Land ihrer Kindheit. Dort beginnt eine Reise, die ihr Leben komplett auf den Kopf stellt. Was dieses Buch so lesenswert macht, geschickte Erzählweise. Die Handlung teilt sich in zwei verschiedene Stränge, Maras Suche und die Geschichte der Geschwister Kai und Lucy. Faszinierende Themen, Raabe verwebt Quantenphysik und paranormale Phänomene miteinander. Keine Sorge, man braucht dafür kein wissenschaftliches Vorwissen, es macht die Story einfach herrlich geheimnisvoll. Das kleine Limmerfeldt wird beim Lesen so real und lebendig, dass man regelrecht in diese Kulisse hineingesaugt wird. Mein Fazit: Für die vollen 5 Sterne reicht es am Ende nicht ganz, aber mit starken 4 bis 4,5 Sternen ist es eine glatte Leseempfehlung. Die Geschichte schließt ihre Kreise am Ende sehr gut, lässt Raum für die Zukunft und hinterlässt beim Zuschlagen des Buches eine emotionale Mischung aus Wehmut, Schmerz und ganz viel Wärme. Perfekt für ein langes, genüssliches Lesewochenende!