Im Nebel verirrt

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»Der letzte Leuchtturm« von Michael Pedersen besticht zunächst durch seine Atmosphäre: die raue Abgeschiedenheit von Muckle Flugga, das tosende Meer, die Einsamkeit eines Leuchtturms – all das verspricht eine intensive, beinahe mythische Leseerfahrung. Interessanterweise tritt das Buch – ähnlich wie sein Autor – in seiner schottischen Rezeption sehr exzentrisch und eigenwillig auf, ja geradezu extravagant, während die deutsche Ausgabe in ihrer äußeren Gestaltung vergleichsweise zurückhaltend daherkommt. Diese Bescheidenheit passt letztlich jedoch besser zum Text selbst, der trotz mancher Eigenwilligkeit keineswegs so schrill oder spritzig ist, wie man es von diesem Autor erwarten könnte.
Man merkt deutlich, dass Pedersen sich viel vorgenommen hat. Seine Sprache ist poetisch, stellenweise bildreich und suchend – doch genau darin, im Stil, liegt für mich auch das zentrale Problem des Romans. Vieles gerät zu schwülstig, zu ausschweifend, verliert sich in Andeutungen und Stimmungen. Wichtige Gedanken treten auf der Stelle oder gehen im sprachlichen Übermaß unter. Immer wieder entsteht der Eindruck, dass dem Roman eine klare Fokussierung fehlt: Man weiß phasenweise nicht recht, worauf einzelne Kapitel hinauswollen oder was eigentlich im Zentrum stehen soll. Gerade hier zeigt sich, dass es sich um ein Debüt handelt – eines, dem es vor allem an Verdichtung mangelt.
Auch die Grundkonstellation wirkt weniger originell, als sie zunächst erscheinen mag. Ein Leuchtturmwärter, ein sensibler Sohn, ein Künstler, ein Schriftsteller – das erinnert eher an eine vertraute, beinahe klischeehafte Dramaturgie, wie man sie in abgeschwächter Form aus filmischen Vorbildern kennt. Jedenfalls hatte ich beim Lesen ständig das Gefühl, einzelne Motive des Romans bereits zu kennen. Die Elemente greifen ineinander, ohne jedoch eine wirkliche Eigenständigkeit zu entwickeln; vieles wirkt eher gefällig und auf ein breiteres Publikum zugeschnitten, als es der poetische, ambitionierte Anspruch vermuten ließe.
Unterm Strich blieb bei mir daher eine gewisse Ernüchterung. Trotz einzelner atmosphärisch gelungener Passagen habe ich das Buch nicht wirklich gern gelesen. Man verirrt sich in ihm, ohne dass sich ein klarer Halt bietet – und es fehlt an Momenten, die stark genug wären, um das Interesse nachhaltig zu binden. »Der letzte Leuchtturm« ist kein misslungenes Buch, aber eines, das hinter seinen eigenen Ambitionen zurückbleibt.